Die Krise wird weggekauft

Der Jobmotor läuft - Kommendes Jahr wieder viele Kfz-Neuzulassungen
  • Zwei 14jährige Mädchen posieren mit Hüten vor einem Spiegel. Bei den Konsumenten scheint die Krise vergessen: Die Verbraucherstimmung ist wieder gut. Foto: dpa
Die Deutschen kaufen ein wie schon lange nicht mehr - auch weil die Arbeitslosenzahl weiter fallen dürfte. Im kommenden Jahr rechnen Experten mit 8 Prozent mehr neu zugelassenen Autos.Zunehmendes Vertrauen in die Wirtschaftsentwicklung, weniger Arbeitslose und mehr Geld in der Tasche lassen die Verbraucher nach einer Verschnaufpause wieder ausgabefreudiger werden. Das Konsumklima in Deutschland erreichte nach Angaben des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK den höchsten Wert seit Frühjahr 2008.

'Die Verbraucher gehen derzeit davon aus, dass sich die konjunkturelle Belebung auch in den kommenden Monaten fortsetzen wird', erklärte der Autor der Studie, Rolf Bürkl. Die Bürger sähen deshalb 'offenbar eine realistische Chance auf steigende Einkommen, was wiederum die Konsumneigung beflügelt'. Das für die Konsumenten entscheidende Kriterium sei die 'überaus positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt'.

Wirtschaftsforschern zufolge könnte die Arbeitslosenzahl in den kommenden Monaten unter die Grenze von drei Millionen rutschen. Der überraschend kräftige Aufschwung beschert Deutschland aus Sicht des Forschungsinstituts DIW einen Job-Rekord. 'Im Schnitt werden im nächsten Jahr rund 40,4 Mio. Menschen arbeiten - so viele wie noch nie im vereinigten Deutschland', sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann. Für dieses Jahr rechnen die Forscher mit einem deutlichen Wachstum von 3,4 Prozent, nachdem die deutsche Wirtschaft im Krisenjahr 2009 um 4,7 Prozent geschrumpft war. Für 2011 erwartet das DIW 2 Prozent. Mit der raschen Erholung setze sich Deutschland an die Spitze der Industrieländer, erläuterte DIW-Konjunkturchef Christian Dreger.

Die anziehende Konjunktur beflügelt auch die Hoffnung auf eine bessere finanzielle Lage. Die sinkenden Arbeitslosenzahlen erhöhten 'in der Wahrnehmung vieler Beschäftigter die Möglichkeit von Tariferhöhungen', erklärte Bürkl. Zudem stütze die niedrige Inflationsrate die Kaufkraft der Verbraucher.

Damit erhielt auch die Anschaffungsneigung neuen Auftrieb. Nach zwei Monaten mit rückläufiger beziehungsweise stagnierender Entwicklung stieg die Kauflaune im September. Sie lag damit deutlich über dem langjährigen Durchschnitt.

Auch die deutsche Automobilindustrie wird nicht nur 2010 ein überraschend gutes Jahr erleben, sondern sich auch im kommenden Jahr weiter deutlich erholen. 'Was wir gerade erleben ist ein kleines Wirtschaftswunder', sagt Bernd Gottschalk, der frühere Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, der mittlerweile mit Autovalue ein Beratungsunternehmen für die Branche betreibt.

Für 2010 erwartet er in Deutschland rund 3 Mio. Neuzulassungen. Dies ist zwar ein Minus von 23 Prozent, das allerdings vor allem aus der Abwrackprämie resultiert, die 2009 für fast 1 Mio. Neuwagen-Käufe gesorgt hat. Im nächsten Jahr dann rechnet Gottschalk mit einem Plus von 8 Prozent auf 3,15 Mio. Neuzulassungen. Dies wäre mehr als im Vorkrisenjahr 2008.

Die massive Nachfrage in diesem Jahr kommt vor allem aus dem Ausland und hier in erster Linie aus China. Nach wie vor sei die Eigenkapitaldecke bei vielen Zulieferern aber zu dünn, ihre Verschuldung und ihre Finanzierungskosten zu hoch. dapd/otr
© Südwest Presse 29.09.2010 07:45
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