Bankenabgabe lässt Gewinne schmelzen

Bundesbank erwartet keinen Kreditabbau
Die Bankenabgabe wird nicht dazu führen, dass Geldinstitute Kredite abbauen müssen. Davon geht die Bundesbank in ihrem Monatsbericht aus.Die geplante Bankenabgabe, eine mögliche Finanztransaktionsteuer und die Reform der europäischen Einlagensicherung werden den Privatbanken in Deutschland schwer zu schaffen machen. 'Wenn das alles kommt, bleiben den Banken künftig von zehn Euro Gewinn nach Abzug von Steuern und Abgaben gerade einmal drei Euro für die Rücklagen,' sagte Manfred Weber, scheidender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Banken (BdB). Damit werde es schwer, die neuen Eigenkapitalvorgaben zu erfüllen.

Nach Ansicht der Bundesbank werden die Institute das Geld aber aufbringen können. Und dies ohne den Abbau von Krediten und damit zulasten der Realwirtschaft, schreibt die Notenbank in ihrem Monatsbericht September.

Banken-Lobbyist Weber freilich will dies nicht ausschließen. Allerdings hält er nicht an der Schätzung fest, die der BdB vor zwei Wochen abgegeben hatte. Damals hatte der Verband vorgerechnet, dass die Banken in Deutschland durch die neuen Eigenkapitalauflagen Kredite im Volumen von einer Billion Euro abbauen müssten. Im Blick auf den zusätzlichen Bedarf an Eigenkapital für die deutschen Institute, wollte Weber keine neue Zahlen nennen. Auch die neuesten Bundesbank-Schätzungen, wonach die zehn größten Institute bis 2019 rund 50 Mrd. EUR zusätzliches Kapital benötigten, um die neuen Eigenkapitalregeln (Basel III) erfüllen zu können, wollte Weber nicht kommentieren.

Einfach wird die Neubesinnung und die Einstellung auf die neuen Vorgaben für die Institute allerdings nicht, wie die Bundesbank in ihrem jüngsten Monatsbericht feststellt. Unter anderen auch, weil ihre Ertragslage weiter schwierig bleibe. 2009 mussten Banken und Sparkassen in Deutschland vor Steuern einen Gesamtverlust von 2,9 Mrd. EUR hinnehmen, besonders weil einige größere Institute noch tief in den roten Zahlen gesteckt hätten. Trotzdem war es nach einem Minus von 22,1 Mrd. EUR im Jahr 2008 eine deutliche Verbesserung. Den Vorsteuer-Verlust bei den Großbanken beziffern die Bundesbanker für 2009 auf 6,7 Mrd. EUR, bei den Landesbanken auf 5,2 Mrd. EUR. Dagegen konnten die Sparkassen 4,7 Mrd. EUR und die Volksbanken 3,4 Mrd. EUR Gewinn verbuchen.
© Südwest Presse 21.09.2010 07:45
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