Ernten statt verfaulen lassen

Berliner Ökonomin gründet Initiative zum Pflücken von herrenlosem Obst
Äpfel, Birnen oder Pflaumen fallen Jahr für Jahr tonnenweise auf bundesdeutschen Straßen und verfaulen. Das müsste nicht sein, sagen sich die Initiatoren der Internetplattform 'mundraub.org'.Saftige Pflaumen, knackige Äpfel: An deutschen Obstbäumen gedeihen tonnenweise Früchte, oft entlang von Landstraßen, Parks und Feldern, manchmal mitten in der Stadt - doch niemand pflückt sie. Das überreife Obst fällt Jahr für Jahr auf den Boden, zerplatzt, verfault. Zur selben Zeit kaufen die Bundesbürger im Supermarkt Import-Früchte aus Übersee.

Angesichts der vielen 'Schätze' vor der Haustür ein Unding, meint die 32-jährige Ökonomin Katharina Frosch aus Berlin. Zusammen mit vier Freunden gründete sie vor einigen Monaten die Internet-Plattform www.mundraub.org. Wer in diesem Spätsommer und Herbst noch gratis frische Pflaumen, Zwetschgen oder Äpfel aus der Region ernten will, wird auf dieser Webseite fündig.

Weit über 1000 Standorte mit wilden oder herrenlosen Obstbäumen, Haselnuss- und Beerensträuchern oder Kräuterflecken haben die fünf Berliner inzwischen bundesweit zusammengetragen - alles Stellen, die ohne Bezahlung abgeerntet werden können. Täglich kommen neue dazu, zum Teil mitten in Städten wie Hamburg, Frankfurt oder Aachen.

Ziel der ehrenamtlichen Initiative ist es, möglichst viele Privatleute und Kommunen dafür zu gewinnen, ungenutztes Obst zum Gratis-Pflücken freizugeben. Die Aktion sei kein Aufruf zum Plündern der Natur, betonen die 'Erntehelfer'. Die Gruppe wurde für ihre Idee bereits vom Rat für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung prämiert.

Jeder Früchte-Fundort wird überprüft, bevor er freigeschaltet wird. Jeder soll ohne schlechtes Gewissen gratis naschen können. Etwa in Prenzlauer Berg in Berlin, wo an einem Spielplatz versteckt Unmengen Mirabellen hängen. Gleiches gilt für Äpfel und Zwetschgen an einem Münchner Spielplatzzaun. Vor allem im Osten der Republik lohnt sich die Suche. Allein in Mecklenburg-Vorpommern sind über hundert Fundorte markiert.

'Wir empfehlen mundraub.org', betont Heidrum Schubert, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bayern, die 2002 eine ähnliche Aktion, die jährliche Obstbörse im Freistaat, ins Leben gerufen hat. Vermittelt wird dabei überschüssiges Obst von privat an privat. 'Die einen können nicht mehr ernten, weil sie gebrechlich sind, und die anderen freuen sich über frische Früchte aus der Region.' Beliebt sei die Börse aber auch wegen der alten, seltenen Obstsorten. dapd
© Südwest Presse 21.09.2010 07:45
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