Klimaanlage im Büro kann krank machen

Experten-Rat: Schleimhäute mit speziellen Nasensprays feucht halten
Für manche ist es ein Fluch, für andere ein Segen: Klimaanlagen in Büros laufen in diesem Sommer auf Hochtouren. Doch Mediziner warnen: Die Kühlgeräte führen immer häufiger zu Krankheiten.Drückende Hitze draußen, angenehme Frische drinnen: In der Sommerhitze laufen Klimaanlagen in Büros auf Hochtouren. Das bringt zwar kühle Temperaturen, aber bisweilen schlechtes Klima im Büro. 'Manche Angestellte sitzen im Hochsommer im Pulli am Arbeitsplatz und ärgern sich darüber', sagt der Chef der Sektion Krankenhaushygiene an der Uniklinik Freiburg, Markus Dettenkofer. Und das nicht zu Unrecht: Teilweise seien die Anlagen zu kalt eingestellt. Der Hitzeschock bei mehr als 10 Grad Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen könnte zur Erkältung oder zu neurologischen Beschwerden führen.

Seit zehn Jahren litten immer häufiger Büroangestellte an dem so genannten 'Sick-Building-Syndrom' (deutsch: Krankes-Gebäude-Syndrom), wobei das Krankheitsrisiko durch ungünstig gebaute oder ausgestattete Gebäude steige, sagt der Mediziner. Ein Grund dafür seien Klimaanlagen. Das Risiko von Erkältungen oder Atemwegserkrankungen steigt durch schlecht gewartete Klimaanlagen, die Krankheitserreger in die Luft pusten.

Auch Anlagen mit regelmäßig gewechselten Filtern verstärkten das Krankheitsrisiko in Büros, sagt Dettenkofer. Für einen gesunden Organismus sei der häufige Wechsel von der Hitze draußen ins kalte Büro drinnen zwar 'keine Katastrophe'. Wer aber gesundheitlich schon angeschlagen sei, bei dem könnten eher Erkältungen auftreten. Letztlich komme es aber auf die Empfindlichkeit der Einzelnen an. Die ideale Raumtemperatur liege bei 20 bis 24 Grad, von 18 Grad Bürotemperatur rät er dringend ab. 'Draußen ist dann Backofen und drinnen Kühlschrank, das geht nicht.'

Der HNO-Arzt Jörg Waldmüller hat in seiner Praxis in Stuttgart in diesem Jahr deutlich mehr Patienten behandelt, die wegen Klimaanlagen erkrankt waren. Weil die Kühlgeräte der Luft die Feuchtigkeit entziehen, trockneten die Schleimhäute der Menschen aus. Dann sei der Nasen- und Rachenbereich anfälliger für Krankheitserreger, sagt Waldmüller. Abhilfe schafften Feuchtigkeitsprays für die Nase.

Auch die Techniker Krankenkasse sieht das Thema Klimaanlagen kritisch. Die Filter müssten einmal im Jahr ausgetauscht werden. Damit soll der Entstehung von Keimen und Schimmelpilzen vorgebeugt werden. Außerdem sollte das Gerät auch im Sommer nicht durchgehend in Betrieb sein.
© Südwest Presse 21.08.2010 07:45
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