Frech, stark, selbstbewusst

Das Stuttgarter Unternehmen Zora hilft langzeitarbeitslosen Frauen
Junge Frauen ohne Arbeit müssen viel lernen. Oft fehlt ihnen eine Ausbildung oder sogar ein Schulabschluss. Das Stuttgarter Frauenunternehmen Zora will ihnen helfen und eine 'Grundstabilisierung' erreichen.Wer den Namen 'Zora' hört, denkt zunächst an den Kinderbuchklassiker 'Die rote Zora und ihre Bande' von Kurt Held. Frech, stark, selbstbewusst - so muss eine Zora sein, und so sollen auch die jungen Frauen werden, die beim gleichnamigen Stuttgarter Frauenunternehmen Zora eine neue Perspektive suchen. 'Zukunft und Orientierung durch Arbeit und Ausbildung', das will Zora langzeitarbeitslosen Frauen vermitteln.

Insgesamt rund 220 Frauen nehmen derzeit an den Projekten in der Einrichtung teil. In der Regel sind sie sechs bis zwölf Monate dabei.

'Unser Ziel ist eine Grundstabilisierung der Frauen', erklärt Ingrid Stoll, eine der 20 Fachkräfte. Dass bei Zora sowohl die Mitarbeiterinnen als auch die Teilnehmer ausschließlich weiblich sind, hat vor allem einen Grund: 'Frauen können sich in reinen Frauenzusammenhängen besser erproben', sagt Stoll. Es falle ihnen viel leichter, selbstständig zu arbeiten und auf das Ergebnis stolz zu sein.

Auch Alexa nimmt an einer Zora-Maßnahme teil. Seit November 2009 arbeitet die 24-Jährige im 'z.megastore', einem Secondhand-Geschäft in Stuttgart. Heute hat sie ihre Tochter mitgebracht, weil der Kindergarten in den Ferien geschlossen ist. Und sie ist nicht alleine: Auch ihre Kolleginnen haben ihre Kinder dabei. Sie alle sind junge Frauen, meistens schon Mütter, viele mit Migrationshintergrund. Weil sie langfristig arbeitslos waren, hat das Jobcenter sie an Zora vermittelt, zu dem der 'z.megastore' gehört.

'Über 12 000 Frauen waren im Juli 2010 im Agenturbezirk Stuttgart arbeitslos gemeldet', sagt Silke Böhm, Sprecherin der Arbeitsagentur Stuttgart. Rund 7,5 Prozent von ihnen fallen in den Bereich der Jugendarbeitslosigkeit, weil sie unter 25 Jahre alt sind. In ihrer Altersgruppe beträgt die Arbeitslosenquote 4 Prozent.

Speziell für sie gibt es bei Zora das teilweise aus dem Europäischen Sozialfonds finanzierte Projekt 'Zora U 25', an dem auch Alexa und ihre Kolleginnen teilnehmen. Insgesamt fast 130 000 EUR hat 'Zora U 25' im Jahr 2009 von der EU erhalten. Der 'z.megastore' ist ein Teil des Projekts, aber nicht der einzige. Die unter 25-Jährigen können neben der Arbeit im Verkauf auch ihren Hauptschulabschluss erwerben oder sogar einen IHK-Ausbildungsabschluss als Verkäuferin im 'z.megastore' machen. Wer die ganze Ausbildung nicht machen kann oder möchte, kann auch nur einzelne Teilbereiche des IHK-Lehrgangs absolvieren. Und ausschließlich für junge Mütter gibt es die Möglichkeit, sich zur Bürokauffrau ausbilden zu lassen.

Der 'z.megastore' ist nicht der einzige Arbeitsbereich, den Zora anbietet. In zwei weiteren Kaufhäusern, in der Verwaltung, in einer Näh- und Kreativwerkstatt sowie im Hauswirtschaftsbereich werden die Frauen in Ein-Euro-Jobs oder auf 400-Euro-Basis beschäftigt.

Doch Arbeit ist oft nicht alles, was den Teilnehmerinnen fehlt, die in die Einrichtung kommen. Selbstsicherheit, Bildung und familiäre Unterstützung sind oft ein Manko. Deshalb werden sie auch sozialpädagogisch betreut. Das Fachpersonal assistiert in alltäglichen Fragen wie Kinderbetreuung, Schulden oder bei familiären Schwierigkeiten. 'In Einzelfällen helfen wir auch außer Haus', erklärt Stoll. 'Wir begleiten dann die Frauen individuell bei Behördengängen oder bringen sie bei Bewerbungsgesprächen bis vor die Tür, wenn sie Angst haben.'

Damit die Teilnehmerinnen irgendwann wieder Zugang zum Arbeitsmarkt finden, können sie bei Zora Qualifizierungskurse wie Bewerbungstraining, Medienschulung und Allgemeinbildung besuchen. Auf dem Programm steht zudem die Förderung sozialer Kompetenzen, denn vor allem an denen mangelt es vielen Frauen anfangs. 'Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind nicht immer vorhanden', sagt Stoll. 'Viele müssen erst lernen, dass man sich abmeldet, wenn man nicht kommt.'

Alexa möchte nicht im 'z.megastore' bleiben. 'Verkauf ist nicht so mein Ding', erzählt sie. Trotzdem ist sie froh, dass sie bei Zora ist. 'Ich habe Arbeit, und die helfen mir bei den Bewerbungen.' Und in ihrem Fall haben sich die Bemühungen gelohnt; ab September wird sie eine Ausbildung in ihrem Wunschberuf Erzieherin beginnen.

Stoll allerdings bleibt realistisch. 'Viele unserer Teilnehmerinnen werden nie am ersten Arbeitsmarkt ankommen', sagt sie. Die Vermittlungsquote liege bei 15 bis 20 Prozent. Die Nachhaltigkeit jedoch sei noch geringer. 26 der 89 Teilnehmerinnen von 'Zora U 25' brachen die Maßnahme 2009 ab; sechs haben die IHK-Abschlussprüfung zur Verkäuferin und zwei den Hauptschulabschluss bestanden. dpaZ.MEGASTORE]
© Südwest Presse 19.08.2010 07:45
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