Tore sind gut fürs Geschäft

Handel und Industrie wollen von Sport-Spektakel profitieren
  • 'Vieles gab es schon bei der WM 2006, das meiste wiederholt sich', sagt Marketing-Experte Karl Georg Musiol. Doch die Fußball-WM als Werbemittel scheint zu funktionieren: Viele Branchen setzten auf die Trends in schwarz-rot-gold. Foto: dpa
Auf ein gutes Geschäft mit der Fußballweltmeisterschaft hoffen viele Branchen. Für alle gilt: Je weiter die Deutschen kommen, um so besser. Beim Wetter sind die Wünsche unterschiedlich.Schoko-Bälle, Fußball-Eis und Weltmeister-Joghurt - die Fußball-WM bringt die Fantasie von Handel und Industrie in Schwung. Ob Getränke, Spielzeug, Bücher, Kleidung, Autos oder Elektronik: Viele Branchen springen mit ihrer Werbung auf den WM-Zug auf und hoffen, von dem Großereignis zu profitieren. An eine Wiederholung des 'Sommermärchens 2006' glaubt dabei allerdings niemand so recht. 'Wir erwarten durchaus Impulse von der WM, aber da sie nicht in Deutschland stattfindet, sind die Erwartungen nicht allzu hoch', sagt etwa der Sprecher des Handelsverbands HDE, Kai Falk.

In einem sind sich alle einig: Je weiter die deutsche Mannschaft kommt, desto besser fürs Geschäft. Denn dann bleiben die deutschen Fans dabei, die Stimmung ist gut und erfahrungsgemäß steigt die Konsumlaune. Wenn dazu noch die Sonne kräftig scheint, kann aus Sicht von Biergartenbetreibern und Getränkelieferanten nichts mehr schief gehen.

'Bei gutem Wetter und Volksfeststimmung wird automatisch mehr getrunken', sagt Sepp Gail, der Vorsitzende des Deutschen Getränke- Einzelhandels. Auch der Deutsche Brauer-Bund vertraut darauf, dass es die Menschen bei schönem Wetter in Scharen zum gemeinsamen Public Viewing nach draußen treibt. Im Idealfall kann der Bier-Absatz laut Gail dann um ein bis zwei Prozent zulegen.

Die Süßigkeiten-Produzenten hoffen, dass die WM ihren Umsatz um bis zu drei Prozent in die Höhe treibt - wettermäßig haben sie allerdings andere Wünsche als die Getränkebranche. 'Für uns wäre es besser, wenn das Wetter eher durchwachsen ist und möglichst viele Leute zu Hause Fußball gucken', sagt Torben Erbrath, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie. Denn Schoko- Kugeln und Fruchtgummi schmecken nun mal besser, wenn sie nicht vor lauter Wärme klebrig werden - da helfen auch schwarz-rot-goldene Farben nichts. Und Chipstüten werden eher selten zum Public Viewing mitgenommen.

Stichwort Fernsehen: Der Bundesverband Technik des Einzelhandels rechnet nach 8,6 Mio. verkauften Fernsehgeräten 2009 in diesem Jahr mit 9,3 Mio. Stück 'einen absoluten Umsatz- und Absatzrekord'. Einen großen Beitrag dazu leisten soll die neue HDTV-Technik, die auch die WM-Spiele superscharf ins Bild setzt. Hier soll der Verkauf im Wesentlichen natürlich schon vor Beginn der WM gelaufen sein. Deshalb lockt zum Beispiel eine Elektronikkette mit einem Tippspiel, das Rabatte bringen kann.

Der Spielwarenhandel sieht sich mit Tischfußball, Bällen und Figuren gut auf die WM vorbereitet. In vielen Buchläden stehen Sondertische mit Fußball-Büchern und Südafrika-Reiseführern. Auf rege Nachfrage dürften typische WM-Souvenirs stoßen: T-Shirts und Kappen mit Aufdruck, Deutschland-Fähnchen fürs Auto oder Tröten im Stil der südafrikanischen Vuvuzela.

Die Fußball-WM sei einfach ein Topp-Thema, an dem niemand vorbeikomme, der seine Produkte bewerben wolle, meint der Vizepräsident des Deutschen Marketing-Verbands, Karl Georg Musiol. Aber: 'Vieles gab es schon bei der WM 2006, das meiste wiederholt sich.'
© Südwest Presse 02.06.2010 07:45
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