Schatten über Festwoche für Würth

Unternehmer wird 75 Jahre - Streit um Orden
  • Reinhold Würth: Vom 19-jährigen Chef eines kleinen Ladens zum Patriarch eines Weltkonzerns. Foto: arc
Der erfolgreiche Unternehmer Reinhold Würth wird am 20. April 75 Jahre alt. Die Feier wird überschattet von der Diskussion um das Verdienstkreuz.Eigentlich könnte Reinhold Würth sehr zufrieden auf seine 75 Lebensjahre, auf sein 60-jähriges Arbeitsjubiläum und auf das 65-jährige Bestehen der Adolf Würth GmbH & Co. KG zurückblicken. Aus dem kleinen Laden seines Vaters hat er nach dessen frühem Tod 1954 als 19-jähriger Nachfolger einen Global Player gemacht, einen Handelskonzern, der sich zu den erfolgreichsten Unternehmen der Republik entwickelt hat. Zum Reich des Hohenloher 'Schraubenkönigs' gehören über 400 Gesellschaften mit 59 000 Mitarbeitern in 84 Ländern. Es ist ein Gemischtwarenladen mit über 100 000 Artikeln im Montagebereich, mit Bank, Versicherung, Verlag, 15 Museen, Solarmodulen, Elektrogeräten, einer alternativen Schule, Hotels, Restaurants.

Regelmäßig konnten Umsatzrekorde gemeldet werden (für 2009 gibt es allerdings Einbußen von 15 Prozent). Dem unermüdlichen Schaffer gelang fast alles. Nur eine Baufirma musste abgewickelt werden. Der Visionär mit Pilotenschein wird hofiert und mit Lorbeeren aller Art überhäuft. Prof. Dr. h.c. mult. Reinhold Würth, am 20. April 1935 in Öhringen geboren, ist Ehrenbürger und Ritter der französischen Ehrenlegion, die IHK hat den Sammler von 12 500 Kunstwerken ausgezeichnet mit einer Bronzeskulptur namens Merkur für seine 'außergewöhnlichen Verdienste'.

Doch die 'Festwoche' beim Stammhaus in Künzelsau-Gaisbach wird überschattet von der Diskussion über das 2005 verliehene Bundesverdienstkreuz. Weil Würth wegen Steuerhinterziehung wohl 3,5 Mio. EUR Strafe bezahlen musste, prüft das Bundespräsidialamt, ob der Orden entzogen werden muss. Das Staatsministerium in Stuttgart verweigert die Übersendung der Akten ins Berliner Schloss Bellevue aus Gründen des Datenschutzes. Was der Sponsor des präsidialen Gartenfestes zu dem Hickhack sagt, ist nicht zu erfahren. Kein Kommentar, lässt Würth ausrichten. Von Kabarettisten wie Frank-Markus Barwasser ('Pelzig unterhält sich') muss sich der Ordensträger Hohn und Spott gefallen lassen.

Im Umfeld des Patriarchen - er hat sich zwar 1994 offiziell aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen, steht aber dem Aufsichtsrat der Stiftung vor und greift angeblich auch gerne ein, wenn es mal irgendwo hapert - wird vermutet, dass Würth das Große Verdienstkreuz freiwillig zurückgeben könnte. 'Dieses widerliche Gezerfe hat er doch nicht nötig', heißt es.

Zur Bundesrepublik ging Würth längst auf Distanz, obwohl er eine Bürgerintiative 'Pro Region Heilbronn-Franken' initiiert hat. Seinen Hauptwohnsitz hat er nach Salzburg verlegt, wo er seit 1993 ein Haus besitzt. Die österreichische Staatsbürgerschaft hat er 2008 beantragt. Die Auslandsgeschäfte des Konzerns werden vom schweizerischen Rohrschach aus gelenkt. Deutsche Behörden sieht Würth als 'Sondersubstrat des Staates'. Hierzulande werde bei Betriebsprüfungen 2,5 Jahre lang 'jedes Blättle Papier' umgedreht, in der Schweiz dauere diese Kontrolle 'nicht länger als fünf Arbeitstage - dort gibt es ein gewisses Grundvertrauen zwischen Bürgern und Staat'. Deutschland sieht Würth auf dem geradlinigem Weg in eine 'Edel-DDR'.

In seiner Hohenloher Heimat wird der großzügige Spender weiter in Ehren gehalten. Es geht aber die Angst um, dass die privaten und geschäftlichen Absetzbewegungen auf Dauer dem Arbeitsmarkt und den Kommunalkassen schaden könnten. Mit Besorgnis wird registriert, dass ein 2005 versprochenes Kulturzentrum in Gaisbach nicht gebaut wird, aber Anwesen in Salzburg und auf Gran Canaria erworben werden.

Die Verehrung Würths ist bei allem Respekt vor seinem Lebenswerk und seinem Engagement in den letzten fünf Jahren geringer geworden. Dazu hat, außer der Steueraffäre, eine Luxusjacht für 100 Mio. Dollar beigetragen - der Kauf ist ausgerechnet dann bekannt geworden, als in Künzelsau gerade Kurzarbeit angeordnet worden war.
© Südwest Presse 17.04.2010 07:45
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