Mit starken Nerven und Zuversicht

Josef Frischhut behauptet sich seit 34 Jahren in der Baubranche
  • Josef Frischhut an seinem Lieblingsplatz im Unternehmen: der Produktionshalle, in der Deckenelemente aus Beton bis zu einer Länge von 45 Meter hergestellt werden. Foto: Agentur Haug & Partner
Selbst zu gestalten und sich von niemandem bremsen lassen: Das war der Antrieb für Josef Frischhut, sich vor 24 Jahren selbstständig zu machen. Doch manchmal wiegt die Verantwortung schwer.Josef Frischhut ist jemand, der sich hoch gesteckte Ziele setzt. Ende der 80er Jahre kletterte der heute 61-Jährige auf den 4810 Meter hohen Mont Blanc, den höchsten Berg der Alpen. Fast noch schwieriger war ein paar Jahre später die Tour auf den 3900 Meter hohen Ortler, erzählt der gebürtige Oberbayer. Das Besondere für ihn: Bei beiden Bergabenteuern war neben zwei Bekannten auch sein Sohn Matthias dabei. 'In einer so kleinen Seilschaft kriegen Sie ein unglaublich persönliches Verhältnis und die Gewissheit, dass man sich aufeinander verlassen kann', erzählt Frischhut. 'Heute muss ich nicht mehr am Seil hängen, da wandere ich lieber mit meiner Ehefrau in Südtirol.'

Die gemeinsamen Erfahrungen in extremen Situationen prägten Vater und Sohn umso mehr, weil Josef Frischhut - wie viele andere Unternehmer auch - vor lauter Arbeit nur wenig Zeit für seine drei Kinder hatte, als diese klein waren. 'Heute bereue ich das', sagt Frischhut selbstkritisch, der fünf Enkel hat.

Seit 2002 bilden Vater und Sohn auch im Unternehmen ein Team. Matthias Frischhut (39), wie der Vater studierter Bauingenieur, hat seit dem vergangenen Jahr Prokura. In Zukunft soll er mit seiner Schwester Elke das Unternehmen gemeinsam führen. 'Es ist eine glückliche Fügung, dass sich die beiden gut ergänzen', sagt Frischhut. Der Sohn ist fürs Technische zuständig, die Tochter soll es künftig für die Betriebswirtschaft sein. Dabei hatte es vor Jahren nicht danach ausgesehen, dass die 31-Jährige ins Geschäft mit den Betonfertigteilen und Massivhäusern einsteigt.

Nach einer Banklehre hatte sie Ernährungswissenschaften studiert, was den Vater nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hinriss. Doch erstens hat die Tochter wohl auch die Durchsetzungskraft des Vaters geerbt, zweitens ließ der Unternehmer seinen Kinder freie Hand bei der Berufswahl. Mittlerweile sage sie selbst, sie hätte besser Betriebswirtschaft studiert und wolle das in einem Abendstudium nachholen, erzählt Frischhut und lächelt verschmitzt.

Sein Einstieg ins Unternehmertum liegt 34 Jahre zurück. Damals war er mit 28 Jahren angestellter Bauleiter, verheiratet und bereits a seit fünf Jahren Vater, saß am Frühstückstisch und las in der Zeitung die Anzeige eines Gmünder Bauunternehmers, der altershalber einen Nachfolger suchte. 'Ich hatte mir innerlich schon immer vorgestellt, mich selbstständig zu machen. 'Ich lasse mich nicht gern aufhalten und von jemandem anderem bremsen.'

Also bewarb er sich. Dass ihn der Gmünder Bauunternehmer mit dem Metzinger Familienunternehmen Knecht quasi verkuppelte, das expandieren wollte, passte dem aufstrebenden und ehrgeizigen Bauleiter erst gar nicht. Doch daraus entwickelte sich eine erfolgreiche Partnerschaft. Der Anfang erfolgte in gemieteten Räumen und der geschäftsführende Gesellschafter Frischhut erstellte Hand in Hand mit sechs Beschäftigten Keller für Fertighäuser. Nach rasantem Wachstum und einer Werksübernahme in Schorndorf vier Jahre später, beschäftigte das Unternehmen 80 Mitarbeiter. 'Da musste ich lernen, Aufgaben zu delegieren', schildert Frischhut einen der Meilensteine in seiner Unternehmerlaufbahn.

In der Baubranche, in der wegen dem beinharten Wettbewerb starke Nerven gefragt sind, hat sich seither viel verändert. 'Früher reichte ein Handschlag, ein Wort galt wie ein Vertrag. Heute werden wegen kleinster Aufträge lange Verträge aufgesetzt. Die Zusammenarbeit der Partner auf dem Bau ist viel schwieriger geworden', sagt Frischhut. Doch er behauptet sich mit zwei Standbeinen: dem Industriebau und dem Betonfertighausbau.

Ein besonderes Jahr war für ihn 2009: Zum einen, weil sein Sohn Prokura erhielt und er selbst nach dem altersbedingen Rückzug der Familie Knecht alleiniger Eigentümer ist. Zum anderen traf die Wirtschaftskrise sein Unternehmen schwer. Zehn Stellen baute er über Fluktuation ab. Ein Drittel der Belegschaft steckte in Kurzarbeit, zum Teil ist es heute noch so. 'Wenn wir nicht sehen würden, dass im Juni das Geschäft wieder anzieht, wäre Stellenabbau unvermeidlich gewesen.'

Wie schon in den schwierigen Jahren 2003 und 2004 hatte der Bauunternehmer Ende 2008 teilweise schlaflose Nächte. Die Krise bedrohte sein Lebenswerk, die private Existenz, vor allem aber die Zukunftsbasis der Kinder. 'Das war ein riesengroßer Druck', sagt Frischhut. 'Doch als Unternehmer muss man Optimist sein, sonst steht man sich und der Entwicklung des Unternehmens dauernd im Weg.'

Frischhut reagierte früh, investierte unter anderem in der Krise in eine Anlage, auf der längere Deckenelemente für Industriebauten hergestellt werden können und verstärkte das vorher eher nebenher laufende Hausbau-Geschäft. In zwei bis drei Jahren will er die Übergabe des Unternehmens einleiten, indem er halbtage- und tageweise seine Arbeit verringert. 'Ich muss mich langsam zurücknehmen, um zu lernen, mit der gewonnenen Freizeit etwas anzufangen.'
© Südwest Presse 17.04.2010 07:45
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