Protokoll als 'Persilschein'

Verbraucherschützer raten Bankkunden, sich gut vorzubereiten
Seit Jahresbeginn sind Protokolle bei Finanzberatungen Pflicht. Verbraucherschützer sehen jedoch Nachbesserungsbedarf. Den Kunden raten sie zu fragen: Wer verdient bei welchem Produkt wie viel?. Seit Jahresanfang kriegen Bankkunden schwarz auf weiß in die Hand, was ihnen der freundliche Berater im Geldanlagegespräch alles gesagt und empfohlen hat. Das neue, gesetzlich vorgeschriebene Beratungsprotokoll soll die Laien besser vor Falschberatung schützen. Klingt gut. In der Praxis sind die Formulare bislang aber wenig hilfreich für die Kunden, wie Tester von 'Finanztest' bemängeln.

Es sei zu befürchten, dass das Protokoll eher dem Schutz der Banken diene, sagt Arno Gottschalk, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen - er mahnt zur Vorsicht. Vor Gericht dürften Anleger sogar weniger Chancen haben, sollte mit der Geldanlage etwas schief gehen.

Nach den Erfahrungen der Berliner Tester hapert es bislang noch immer mit der Dokumentation darüber, ob und wie die Kunden konkret über Anlagerisiken aufgeklärt wurden. Viele Protokolle seien vorformuliert, standardisiert und strotzten vor Fachausdrücken. Der Berater müsse nur noch ankreuzen. 'Ein Persilschein', falls sich die Geldanlage auf einmal ganz anders entwickele als erwartet, kritisieren die Verbraucherschützer. Über Verbesserungen müsse mit der Bankenbranche gesprochen werden, betont Dorothea Mohn vom Bundesverband der Verbraucherzentralen in Berlin.

Es hake auch bei der Aufklärung über Abschlusskosten und Provisionen, die beim Verkauf von Wertpapieren an die Bank gezahlt werden müssten, warnt Gottschalk. Dabei müssen Berater seit 2010 auch über die Kostenseite sprechen, und auch darüber, wie sie selbst von einer Empfehlung profitieren.

'Sparkassen beraten ihre Kunden umfassend', verteidigt sich Michaela Roth vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband. Über Provisionen und Rückvergütungen werde aufgeklärt. Auch Steffen Steudel vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken geht davon aus, dass sich die Berater an das neue Recht halten. Weil auf das Beratungsprotokoll nach Ansicht der Verbraucherschützer aber bislang kein Verlass ist, sollten die Kunden das Heft lieber selbst in die Hand nehmen: Wer einen Termin zur Beratung bei der Bank hat, sollte sich darauf gut vorbereiten, rät Stiftung Warentest.

Potenzielle Anleger sollten darauf bestehen, dass die konkreten Produkt-Empfehlungen des Beraters im Protokoll enthalten sind (siehe Kasten). Hinein gehörten auch Hinweise über Verlustrisiken, möglichst in Prozent, sowie die Aufklärung über sämtliche Gebühren und Provisionen, die anfallen, am besten in Euro und Cent.

Verbraucherschützer Gottschalk macht dies an einem Beispiel deutlich: Dass beim Kauf eines geschlossenen Fonds ein Aufschlag von 5 Prozent fällig wird, werde Kunden in der Regel noch mitgeteilt. Dass neben dieser Provision an den Vermittler aber noch weitere Provisionen anfielen, die sich auf das Doppelte belaufen könnten, sei meist kein Thema mehr. Interessenten müssten immer fragen: Was bekommt die Bank oder der Vermittler? Die Experten von Stiftung Warentest raten zudem davon ab, gleich etwas zu unterschreiben. Entscheidungen sollten erst nach reiflicher Überlegung getroffen werden.
© Südwest Presse 07.04.2010 07:45
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