Die IT-Branche sucht viele Mitarbeiter

Neue Jobs entstehen vor allem in den Bereichen Software und Service
  • Mit modernen Handys kann auch von daheim gearbeitet werden - eine Zukunfttechnologie. Foto: apn
Das Motto der Cebit 2010 zeigt, wohin die Reise in der Informationstechnik geht: Connected Worlds steht für das Zusammenwachsen von Technik- und Lebenswelten. Viele neue Mitarbeiter werden dafür gebraucht.Connected Worlds - treffender hätte das Motto zur Computermesse Cebit 2010 kaum sein können. Das Internet verbindet die Menschen und hebt die Trennung zwischen Beruf und Privat auf. Eine Studie des IT-Branchenverbands Bitkom hat ergeben, dass 85 Prozent der Berufstätigen auch in ihrer Freizeit für den Chef, Kollegen oder Kunden erreichbar sind.

Ob das nun gut oder schlecht ist, darüber lässt sich streiten. 'Unsere Lebens- und Arbeitswelten wachsen zusammen. Wir sind viel unterwegs, überall erreichbar und führen nur noch einen Terminkalender, der Berufliches und Privates verbindet', sagt Anette Weisbecker, Direktorin am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart. Wie man mit den modernen Kommunikationsmöglichkeiten umgehe, bleibe jedem selbst überlassen. Tatsache ist: Das Rad dreht niemand mehr zurück, im Gegenteil, Informationstechnik wird sich noch viel mehr ausbreiten in allen Bereichen der Gesellschaft. Und dafür werden Spezialisten für Informationstechnologien gebraucht.

Das Nürnberger Softwarehaus Datev etwa will in diesem Jahr 260 neue Mitarbeiter einstellen, darunter viele IT-Spezialisten. Gesucht werden Wirtschaftsinformatiker für die Anwendungsentwicklung an der Schnittstelle Wirtschaft-Informatik, Kerninformatiker für Systementwicklung und Implementierung an Großrechnern. Das Einstiegsgehalt liegt bei rund 43 000 EUR jährlich.

Die Telekom hat 2009 etwa 1200 IT- und Telekommunikations-Experten eingestellt. Auch in diesem Jahr liegt bei den geplanten Neueinstellungen wiederum der Schwerpunkt auf IT-Spezialisten. Gesucht werden vor allem Software-Entwickler und IT-Architekten als Generalisten wie auch Spezialisten und zunehmend mit interdisziplinärem Hintergrund. Interdisziplinäre Studiengänge, die Informatik mit Wirtschaft verbinden, sind daher für die Telekom besonders interessant.

Anette Weisbecker geht davon aus, dass Spezialisten der aussterbenden Art angehören. Sie spricht Generalisten oder Universalisten die größten Zukunftschancen zu. 'Ingenieurwissenschaften, Informatik und Mechatronik liegen schon sehr eng beieinander und werden noch viel enger zusammenwachsen.' Als Beispiel nennt sie mobile Endgeräte. Um sich mit Handys, iPods und Co. professionell zu beschäftigen, müsse man wissen, wie Technik, Kommunikation und Applikationen auf den Geräten funktioniere. Spezialist für eines der Themen zu sein, reiche nicht mehr aus. Ebenso müsse man das Business des Kunden verstehen, für die das Produkt entwickelt wird.

Laut Stefan Jähnichen, Präsident der Gesellschaft für Informatik und Professor der TU Berlin, sind wichtige Themen für Informatiker der Zugang zum mobilen Endgerät sowie die zunehmende Vernetzung mobiler Endgeräte. Connected Worlds eben.

Selbst in der Krise waren IT-Fachkräfte nachgefragt. Der Verein Deutscher Ingenieure VDI meldet 15 000 offene Stellen für Informatiker. Und dennoch: Ungestreift geht auch an dieser Berufsgruppe die Krise nicht vorbei. Laut Stellenidex des Personaldienstleisters Adecco haben sich die Stellenangebote für Informatiker 2009 im Vergleich zum Vorjahr auf rund 3700 halbiert. Der Index beruht auf den Jobofferten in etwa 40 Zeitungen und belegt den Langzeittrend: Vor allem für Softwareentwicklung und IT-Dienstleistungen werden IT-Spezialisten gesucht.
© Südwest Presse 04.03.2010 07:45
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