Narren bringen Umsatz Nachfrage nach Kostümen und Accessoires ist ungebrochen

  • Buntes Treiben im Kölner Straßenkarneval: Die tollen Tage machen nicht nur den Feiernden Freude, auch Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleister reiben sich über gute Geschäfte die Hände. Foto: ddp
Während die Narren und Karnevalisten noch feiern, was das Zeug hält, zücken die Händler schon einmal den Taschenrechner. Das vorläufige Fazit der Saison 2009/10 lautet: von Krisenstimmung keine Spur.Börsentief, Kurzarbeit, unsichere Aussichten in der Wirtschaft? Die Narren lassen sich dadurch nicht die gute Laune verderben. Zumindest zeigt sich der Fachhandel optimistisch, was die Umsätze mit Kostümen, Perücken und sonstigem Zubehör angeht. Nach Umfragen der Fachgruppe Karneval im Deutschen Verband der Spielwarenindustrie sind die Händler mit ihren Verkaufszahlen sehr zufrieden.

Voraussichtlich wird also der Kassensturz am Aschermittwoch erneut einen Zuwachs ergeben. Den hat die Branche - trotz Krise - auch in der Saison 2008/2009 erlebt: Damals war der Umsatz mit Ausstattungen für die närrischen Tage um 13 Mio. EUR auf 290 Mio. EUR gestiegen.

Damals gingen fast 1,9 Mio. Kostüme für Erwachsene und 1,6 Mio. Modelle für Kinder über den Ladentisch. Hinzu kamen 2,5 Mio. Hüte, 5,4 Mio. Schminksets und 39 Mio. Accessoires und Dekogegenstände, berichtet der Verband.

Auch andere Branchen profitieren von dem bunten Treiben. Schließlich macht das Schunkeln, Tanzen und Flirten auch hungrig und durstig. Die Bälle und Prunksitzungen haben nach wie vor großen Zulauf. Allerdings gibt es dafür weder bundes- noch landesweit verlässliche Zahlen.

Die Unternehmensberatungsgesellschaft Boston Consulting Group hat die wirtschaftliche Seite der fünften Jahreszeit zumindest für die Karnevalshochburg Köln untersucht. Der Studie zufolge sorgen die rheinischen Frohnaturen auf Prunksitzungen, Karnevalssitzungen, Umzügen und sonstigen Veranstaltungen jährlich für 460 Mio. EUR Umsatz. Das sichert rund 5000 Arbeitsplätze, berichtet Boston Consulting, von der Bedienung in der Kneipe über den Taxifahrer bis hin zur Kosmetikerin und dem Friseur.

Ob Fasching, Fasnet oder Karneval, ein Partyzubehör darf nirgendwo fehlen: das Konfetti. Doch auch für die bunten Plättchen gibt es aufgrund extrem schwankender Preise keinerlei verlässliche Umsatzzahlen. Die Branche geht aber davon aus, dass zwischen Silvester und Aschermittwoch jährlich rund eine Tonne der Schnipsel verbraucht werden. Nimmt man das Durchschnittskonfetti als Maßeinheit, so würde diese Menge nebeneinander gelegt eine Strecke von ungefähr 400 000 Kilometer ergeben. Das ist das Zehnfache der Länge des Äquators.

Konfetti hat eine lange Tradition. In Deutschland als Fremdwort bezeugt ist es laut Duden seit dem 18. Jahrhundert. Es kommt vom italienischen 'confetti', der Mehrzahl von 'confetto', was soviel heißt wie 'Zuckerzeug' oder 'Konfekt'. Denn in Venedig wurden im Karneval Mandeln, die mit Schokolade oder Zucker ummantelt waren, ins Narrenvolk geworfen.

Irgendwann wurde das den Venezianern zu teuer. Sie ersetzten die Mandeln. So berichtet der Brockhaus von 1908 unter dem Stichwort 'Konfetti' von 'Gipsnachahmungen, die namentlich in den letzten Tagen des Karnevals als scherzhaftes Wurfgeschoss dienen'. Wann sich der Übergang zu den heute überwiegend aus Papier hergestellten Schnipseln vollzogen hat, ist ungeklärt. Fest steht aber, dass der Ausdruck 'Konfetti' in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich und England heute das selbe Produkt bezeichnen. In Italien heißen die Plättchen allerdings 'coriandoli', 'confetti' dagegen steht noch immer für Konfekt.
© Südwest Presse 15.02.2010 07:45
883 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?