Vom Probetrikot für Ruderer zur Textilfabrik

Danilo Wiehler ist auf die Herstellung von Schul-, Sport- und Berufsbekleidung spezialisiert
  • Der Gründer und Inhaber der Rostocker Textilfabrik Wiehler, Danilo Wiehler, posiert neben einer Stickmaschine mit Stücken aus seiner Kollektion. Foto: ddp
Seinen Plan, Betriebswirtschaft zu studieren, hat Danilo Wiehler längst verworfen. Dennoch hat er längst gelernt, wie Wirtschaft funktioniert: Der 34-Jährige ist der Inhaber der größten Textilfabrik im Nordosten.In seinem roten Shirt ist der junge Unternehmenschef kaum von seinen Mitarbeitern zu unterscheiden. Danilo Wiehler steht in seiner Werkhalle in Rostock neben der Hochleistungsstickmaschine und verfolgt, wie ein Schul-Shirt bestickt wird. Knapp eine Minute später hält der 34-jährige Inhaber der größten Textilfabrik im Nordosten, die sich auf die Herstellung und Beschriftung von Schul-, Sport- und Berufsbekleidung spezialisiert hat, das Ergebnis in den Händen, dann nickt er zufrieden.

In den vergangenen 15 Jahren ist aus dem Jungunternehmer ein Großunternehmer geworden, der gerade knapp 4 Mio. EUR in die Erweiterung seiner Firma investiert. Noch als Schüler begann Wiehler, Textilien zu bedrucken. Die Anregung dazu bekam er in Kanada. 1992 während einer Ferienfahrt zu einem Onkel fielen dem 17-jährigen Absolventen des Rostocker Wirtschaftsgymnasiums kunstvoll bemalte und bestickte Textilien auf. Nach Hause zurückgekehrt, unternahm Danilo Wiehler im Gartenhaus seiner Eltern erste eigene Versuche. Farben und Zubehör besorgte er sich in einem Bastlerladen.

Die ersten Probetrikots fertigte er für Ruderer im benachbarten Club in Gehlsdorf. Die waren begeistert und orderten 100 Stück. 'Ich habe alle meine Ersparnisse genommen und mich an die Arbeit gemacht', sagt er. Sein Berufswunsch war klar, statt sein BWL-Studium anzutreten, ließ er sich im Gewerbeamt als 'Textildrucker' eintragen.

Eine Berufsausbildung habe er nie absolviert, 'dafür war keine Zeit'. Wiehler machte sich quasi selbst zum Firmenchef der 'Wiehler Textilfabrik' und baute im Gewerbegebiet am Rostocker Stadtrand seine erste Produktionshalle. Die wurde bald zu klein.

18 Jahre später beliefert sein Unternehmen, das inzwischen 22 Mitarbeiter hat, Kunden im In- und Ausland. 'Blusen, Hemden, Baseballcaps, Handtücher, Bademäntel und zunehmend auch Schulkleidung bekommen das passende Logo eingestickt.' Nicht selten sind die Aufträge Blitzeinsätze. Als zu Saisonbeginn ein großer deutscher Handelskonzern Hauptsponsor beim FC Hansa werden sollte, wurde in der Textilfabrik schon mit dem Beflocken der Trikots begonnen. 'Doch förmlich in letzter Sekunde fiel dann die Entscheidung für den Sponsor 'Windstärke 11' und wir mussten noch mal von vorn anfangen', erzählt der Firmenchef.

'Ich lebe meine Ideen. Fast täglich habe ich neue Einfälle, und die müssen dann auch schnellstmöglich umgesetzt werden', sagt der Junggeselle. Statt wie bisher nur zu bedrucken, zu beflocken und zu besticken, entwarf er eine eigene Kollektion von Schulkleidung. Die soll in der neuen Produktionsstätte im Gewerbegebiet Rostock-Bentwisch produziert werden.

Die Arbeit sei sein Leben, auch wenn manches dadurch zu kurz gekommen sei, berichtet er. So habe er sich 15 Jahre lang keinen einzigen Tag Urlaub gegönnt. 'Erst 2008 war irgendwie die Zeit reif dafür.' Damals holte er alles nach, fuhr wochenlang kreuz und quer durch Asien und Afrika. Von einem teuren Lebensstil halte er nichts.

Er fahre seit Jahren einen alten T1-Bulli von VW, 'Vorzeigeautos sind mir ein Gräuel'. Monatlich zahle er sich selbst nur einen geringen Betrag aus, der Ertrag wird ansonsten in die Firma investiert. Seine Mutter habe ihm beigebracht, bescheiden zu sein, sagt er.
© Südwest Presse 15.02.2010 07:45
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