Discounter stoßen an ihre Grenzen

Im deutschen Lebensmittelhandel regiert seit Monaten nur noch der Rotstift. Doch trotz Preissenkungen halten sich die Kunden immer mehr zurück.Berlin - 500 Gramm Kaffee für 2,95 EUR und Halbfettmargarine für 77 Cent - mit Preissenkungen von bis zu 40 Prozent lockte Lidl seine Kunden zum Wochenende. Penny kündigte gestern an, die Preise für Butter drastisch zu senken. Auch Aldi will Branchenkennern zufolge demnächst bei Butter und Mineralwasser den Rotstift ansetzen. Der seit Monaten tobende Wettbewerb zwischen den Billigheimern verschärft sich immer weiter. Allein in diesem Jahr lieferten sich die Discounter bereits zwei Preissenkungsrunden. Doch sind die Grenzen ihres Wachstum offenbar längst erreicht.

Nach einer jüngsten Erhebung des Marktforschers GfK erleben ausgerechnet die preisaggressivsten Lebensmittelhändler ein Umsatzdesaster. Laut GfK-Daten, über die die 'Wirtschaftswoche' in ihrer jüngsten Ausgabe berichtet, verharrte 2009 Lidls Anteil am 150 Mrd. EUR schweren Lebensmittelmarkt bei 9,8 Prozent, wuchs gerade mal um 0,1 Prozent. Den Erzrivalen Aldi traf es noch härter: Sein Marktanteil schrumpfte von 19 auf 18,4 Prozent. Zugleich sank der Umsatz um 4 Prozent, der wohl heftigste Einbruch in der Firmengeschichte.

Für diese Entwicklung sieht GfK-Spezialist Wolfgang Twardawa gleich mehrere Gründe. Nicht nur der Preisdruck drücke auf die Umsätze, auch das Geschäft mit den Aktionswaren laufe nicht mehr gut. Die Deutschen seien mit Kochtöpfen und Bohrmaschinen überversorgt. Das zeigten auch die Retouren und Restverkäufe. Zudem sei das Wachstum in der Fläche und beim Sortiment völlig ausgereizt. 'Jeder Haushalt in Deutschland kann mit dem Auto innerhalb von 10 Minuten einen Discounter erreichen', sagt der Konsumforscher. Höchstens Aldi könnte noch einen kleinen Schub erleben mit seinen neuen Brotbackautomaten, die der Discounter im Herbst einführte - zunächst aber nur punktuell.

Massive Verschiebungen hat es auch beim Klientel gegeben: Die Discounterstammkunden, die schon immer auf den Preis achteten, kaufen in der Krise weniger, sagt Twardawa. Die gehobene Mittelschicht hingegen, die von den Billigkrämern zuletzt mit Angeboten wie Serano-Schinken und italienischem Rotwein umworben wurde, wandert immer mehr zu den Vollsortimentern von Rewe und Edeka ab. 'Dort erhalten sie inzwischen beides, das Billigsegment und die hochwertigen Markenprodukte.' dpa
© Südwest Presse 01.02.2010 07:45
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