Südwesten schiebt Elektromobilität an

Eigene Landesgesellschaft gegründet
Baden-Württemberg hat das Zukunftsthema Elektromobilität entdeckt. Eine eigene Landesgesellschaft soll Wirtschaft und Forschung dafür vernetzen.Das Land verdankt einen maßgeblichen Teil seines Wohlstands dem Verbrennungsmotor und allem, was damit zusammenhängt. Und wenn wir morgen alle elektrisch fahren? Dann soll eine schon gestern beschlossene Landesagentur dafür sorgen, dass die Auto-Kompetenz im Südwesten weiter erhalten bleibt.

Neben den klassischen Autozulieferern, die von der Zündkerze über die Klimaanlage bis zum kompletten Dachsystem die heimischen Autobauer mit Komponenten versorgen, hat sich auch ein Schwerpunkt um die Elektromobilität gebildet. Ministerpräsident Günther Oettinger rechnet damit, dass binnen eines Jahrzehnts der Anteil von Stromautos auf ein Viertel steigt.

Deshalb hat das Kabinett gestern eine landeseigene Gesellschaft ins Leben gerufen, die Herzstück der Elektromobilität sein soll und Industrie, mittelständische Zulieferer und die Forschung an den Hochschulen zusammenführen soll. Der Chefposten ist ausgeschrieben, die Bewerbungsfrist läuft heute ab. 'Wir wollen keine Zeit verlieren', sagte Oettinger, denn Baden-Württemberg habe die besten Voraussetzungen, 'den weltweiten Wettbewerb um diese Arbeitsplätze der Zukunft zu gewinnen'.

Am 1. März soll die Agentur ihre koordinierende Arbeit aufnehmen, sie wird in den kommenden zwei Jahren über ein Budget von 2 Mio. EUR verfügen. Es ist geplant, die 2001 gegründete Brennstoffzellen-Allianz der heimischen Universitäten, Unternehmen und Forschungseinrichtungen zu integrieren. Die Gesellschaft wird von einem Beirat unterstützt, in dem Vertreter aller Interessengruppen sitzen.

Als zu spät kritisierten die Grünen die Gründung, stattdessen habe die Landesregierung in ihrer Wirtschafts- und Forschungspolitik viel zu lange am Bild des typisch baden-württembergischen Autos mit hoher Leistung und hohem Verbrauch festgehalten. Die Abgeordnete Edith Sitzmann forderte jetzt klare ökologische und ökonomische Schwerpunkte für die Arbeit der Gesellschaft. Das Land strebt an, Fördermittel des Bundes in zweistelliger Millionenhöhe einzuwerben. Das Berliner Forschungsministerium unterstützt regionale Schwerpunkte für die Elektromobilität und will 2010/2011 eine neue Förderrunde ausschreiben.
© Südwest Presse 20.01.2010 07:45
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