Köhler will Krise nicht dramatisieren

Bundespräsident Horst Köhler hat vor einer Überdramatisierung der gegenwärtigen Wirtschaftskrise gewarnt. 'Ich halte nichts von Schwarzmalerei, auch nicht, wenn sie sich in historische Vergleiche hüllt. Wir erleben heute ein anderes Szenario als das der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre im 20. Jahrhundert', sagte Köhler gestern.

Die deutsche Wirtschaft hat nach dem Sturz in die Rezession aus Expertensicht gute Erholungschancen. Möglicherweise sei die Konjunkturkrise nur eine 'Durststrecke', die im Jahr 2010 wieder überwunden sein könnte, sagte der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft, Michael Hüther. Vieles werde dadurch abgefedert, dass Deutschland mit einer positiven Arbeitsmarktlage und guten Gewinnen vieler Firmen in die Krise hineinkomme. Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) rechnet zum Jahresende wieder mit einem Anziehen der Konjunktur. Das Kreditgeschäft sei weiterhin lebhaft. Viele Mittelständler hätten jetzt eine stärkere Eigenkapitalbasis und stünden solider da als beim Abschwung 2001. Dennoch sei insgesamt mit einem konjunkturell schwierigen Jahr zu rechnen.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) will den Wettlauf um die schlechteste Konjunkturprognose nicht mitmachen. 'Wir verzichten darauf, eine eigene Zahl in die Welt zu setzen. Katastrophenszenarien von minus 4 Prozent sind nicht nur unwahrscheinlich, ich halte sie auch für fahrlässig', sagte der neue BDI-Präsident Hans-Peter Keitel in Berlin. Realistisch sei, dass die Wirtschaftsleistung in einer Größenordnung von 2 Prozent schrumpfe. Davon geht inzwischen auch die Bundesregierung aus. Sie rechnet für 2009 mit einem Minus von 2,25 Prozent. dpa
© Südwest Presse 16.01.2009 07:45
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