Ein Stück deutscher Industriegeschichte

Vor 75 Jahren entwarf Ferdinand Porsche den deutschen Volkswagen
  • Blick in Fabrikhalle von Volkswagen in Wolfsburg im Jahr 1954: Der VW-Käfer ist auch Symbol für das deutsche Wirtschaftswunder. Foto: dpa
Auf deutschen Straßen sind heutzutage noch 50 000 VW-Käfer unterwegs, die die Erinnerung an die Autolegende wachhalten. Deren Geburt durch Ferdinand Porsche liegt 75 Jahre zurück.Vor 75 Jahren schrieb der Ingenieur Ferdinand Porsche Industriegeschichte im Sinne des Wortes: Am 17. Januar 1934 verfasste er sein 'Exposé betreffend den Bau eines deutschen Volkswagens'. Die NS-Führung wollte ähnlich wie beim Radio-Volksempfänger ein Auto für das Volk, und Porsche bekam den Bauauftrag. 1936 fuhr der erste Wagen. Doch ein Welterfolg wurde der Käfer, wie das Rundauto später genannt wurde, erst nach 1945.

Adolf Hitler verlangte Anfang der 30er Jahre einen Volkswagen - zum Ärger der Autoindustrie, die ihre Absatzchancen gefährdet sah. Das Auto sollte nach den Ideen von Ferdinand Porsche vier Personen Platz bieten, 100 Stundenkilometer erreichen, 30-prozentige Steigungen erklettern, verschiedene Aufbauten tragen und nicht mehr als 1000 Reichsmark kosten.

Mit dem Geld vieler tausend Sparer, die auf einen Volkswagen hofften, wurde im Flecken Fallersleben bei Braunschweig eine Fabrik aus dem Boden gestampft: das spätere Wolfsburg. Doch der Krieg machte die Pläne zunichte, nur wenige Volkswagen wurden gebaut. Stattdessen montierten Deutsche und Zwangsarbeiter in dem Werk Flugzeugteile, Granaten und stellten den auf VW-Technik basierenden Kübelwagen her.

Nach dem Krieg ließ die britische Besatzungsmacht die Autoproduktion wieder anfahren. Der Käfer sollte als Dienstfahrzeug für Armee und Verwaltung dienen. Dabei blieb es nicht. Der Volkswagen war das Auto, nach dem die schwierige Zeit verlangte: Billig, einfach zu reparieren, zuverlässig. 1946 wurden 10 000 Stück hergestellt, 1948 schon 20 000, 1950 waren es 90 000.

Firmenchef Heinrich Nordhoff erkannte, dass der damals kleine deutsche Markt nicht reichen würde. Ende 1953 wurde der Wagen schon in 88 Länder exportiert. Nordhoff senkte die Preise, die Massenproduktion machte es möglich: 1954 kostete das Standardmodell 3950 Mark. Ein Jahr später lief schon der millionste Käfer vom Band. Die Produktion eilte von Rekord zu Rekord.

Immer weiter feilten die Ingenieure in Wolfsburg am Käfer: Größere Heckfenster, 12-Volt-Elektrik, stärkere Motoren und mehr. Ende der 60er Jahre kam die Wende. Technisch hatte sich der Käfer totgelaufen: Die Luftkühlung kam an ihre Grenzen, das Fahrverhalten war bei immer höheren Geschwindigkeiten gefährlich, der Stauraum zu klein. Die Verkaufszahlen gingen jedoch nur langsam zurück. Daher steuerte VW in eine Sackgasse. Denn technisch moderne Wagen schafften es lange nicht ins Programm.

1978 lief der letzte VW-Käfer aus deutscher Produktion im Werk Emden vom Band. Doch so schnell war der Käfer nicht totzukriegen: Die Herstellung wurde zunächst nach Brüssel verlegt, dann vor allem nach Mexiko. Von dort kamen bis 1985 Käfer nach Europa, bis VW den Verkauf einstellte.

In Brasilien und Mexiko, wo der Käfer eine ähnlich hohe Bedeutung für die Motorisierung hatte wie in Deutschland, fand das Auto noch länger guten Absatz. Das letzte Exemplar lief erst am 30. Juli 2003 in Mexiko vom Band, es war Käfer Nummer 21.529.464. Da besaß das Auto schon längst Kultstatus.

In Deutschland sind heute noch 50 000 Käfer unterwegs, trotz hoher Steuern, schlechter Abgaswerte, Rostbefall und klammer Finger im Winter wegen der schlechten Heizung.75 Jahre nach der Heckmotor-Idee von Ferdinand Porsche richtet man bei VW aber offenbar den Blick zurück: Der Konzern plant mit dem 'Up' kleine, billige Autos mit Heckmotor, die vier Personen Platz bieten sollen. AP
© Südwest Presse 16.01.2009 07:45
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