Ratiopharm offenbar vor dem Verkauf

Merckles VEM will sich nicht äußern
Der Ulmer Milliardär Adolf Merckle muss sich offenbar von Ratiopharm trennen. Nur so soll er einen Überbrückungskredit bekommen können.Glaubt man Finanzkreisen, dann muss sich die Unternehmerfamilie Merckle vom Ulmer Generikaspezialisten Ratiopharm trennen. Zu den Bedingungen des Bankenkonsortiums für einen Überbrückungskredit gehört nach Informationen auch der Verkauf des 80-Prozent-Anteils am Baustoff-Konzern Heidelberg Cement. Nur dann seien die Banken bereit, dem schwer angeschlagenen Firmenimperium des Ulmer Milliardärs Adolf Merckle einen dringend nötigen Überbrückungskredit einzuräumen.

Ein Verkauf des Mannheimer Pharmagroßhändlers Phoenix sei indes nicht zuletzt aus kartellrechtlichen Gründen vom Tisch. Dem Vernehmen nach bemüht sich Merckle in den Verhandlungen mit den etwa 30 Banken nicht nur um einen möglichst lange laufenden Übergangskredit. Dabei soll die Rede sein vom Jahr 2010. Merckle dränge auch auf die Option auf eine Rückkauf-Möglichkeit.

Eine Sprecherin der VEM Vermögensverwaltung, in der Merckle seine Unternehmensbeteiligungen gebündelt hat, wollte dazu gestern nichts sagen: 'So lange die Gespräche laufen, gibt es keine Stellungnahme.' Darüber hinaus betonte sie, dass Merckle und Banken in den derzeit auf der Basis des jüngsten Merckle-Angebotes laufenden Verhandlungen 'sehr nahe beieinander' seien. Ziel sei es weiter, noch vor Weihnachten den Überbrückungskredit zu erhalten.

Die drei Merckle-Unternehmen benötigen offenbar rund 500 Mio. EUR frisches Geld, weil Merckle deren liquide Mittel zur Finanzierung seiner sonstigen Beteiligungs-Engagements eingesetzt haben soll. Nach einem Bericht des 'Handelblatts' ist noch unklar, welche Banken die zusätzlichen Finanzmittel zur Verfügung stellen sollen. Unterm Strich geht es offenbar um die Finanzierung von mehr als 5 Mrd. EUR Finanzschulden. Der Wert von Ratiopharm wird in Branchenkreisen mit rund 3 Mrd. EUR gehandelt. Der Merckle-Anteil an Heidelberg Cement dürfte sich in der gleichen Größenordnung bewegen.

Hintergrund der Krise bei VEM sind Kapitalerhöhungen vor allem bei Heidelberg Cement, die teilweise mit Krediten finanziert wurden. Als Sicherheiten für diese Kredite wurden Aktien hinterlegt, deren Wert mit der Finanzkrise abstürzte. Zudem verlor Merckle bei Spekulationen mit VW-Aktien einen dreistelligen Millionenbetrag. nik
© Südwest Presse 17.12.2008 07:45
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