KOMMENTAR: Einzigartiges Privileg

Damit haben die wenigsten gerechnet, selbst die Apotheker dürften bass erstaunt darüber sein, dass ihnen der Europäische Gerichtshof womöglich ihr einzigartiges Privileg bestätigen wird: Eine Apotheke darf nur der Apotheker besitzen, maximal vier an der Zahl. Die alte Standesregel der Zunft sollte sich nicht mit dem EU-Gedanken einigermaßen einheitlicher Wettbewerbsstandards stoßen - man hört und staunt.

Sollte sich der Gerichtshof dem Gutachten seines Generalanwalts anschließen, dann wären Apotheken-Ketten nicht möglich. Eine Öffnung des Milliardenmarktes mit Arzneien würde erschwert werden. Nicht unbedingt zum Wohle des Kunden, der bei einer Liberalisierung auf billigere rezeptfreie Arzneien hoffen könnte.

Das Argument, dass nur der Apotheker, dem die Apotheke gehört, fachlich gut beraten kann, leuchtet nicht ein. Für die Beratung ausschlaggebend ist allein die pharmazeutische Kompetenz. Warum angestellte Pharmazeuten wirtschaftliche Interessen stärker über den Gesundheitsschutz stellen würden als dies der Apotheken-Inhaber tut, ist eine fragwürdige Annahme.

Warum sollen Apotheken nicht als Ketten geführt werden? Selbst Ärztehäuser und Kliniken dürfen das. Wer - außer Apothekern - soll das begreifen? HELMUT SCHNEIDER
© Südwest Presse 17.12.2008 07:45
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