Verhandlungen mit Banken gehen weiter Positive Reaktionen auf Merckle-Angebot

Das Ringen der Merckle-Gruppe um einen Überbrückungskredit geht in eine neue Runde. Zugeständnisse Merckles stimmen die Banken positiv.. Im Umfeld der Ulmer Unternehmerfamilie Merckle wächst die Zuversicht, dass es gelingt, den Liquiditätsengpass in verschiedenen Dachgesellschaften der Unternehmensgruppe zu beheben. Am Dienstag um Mitternacht war ein Stillhalteabkommen zwischen der VEM Vermögensverwaltung GmbH und mehr als 30 Banken abgelaufen.

Wie die VEM Vermögensverwaltung (Dresden) gestern mitteilte, werden die Gespräche mit den Banken fortgeführt. Ziel sei es, das Stillhalteabkommen mit den Banken zu verlängern. Auf Basis der getätigten Zusagen soll dann in den nächsten Wochen ein Überbrückungskredit vereinbart werden. 'Hierfür hat Merckle nun das Angebot, Sicherheiten und Vermögenswerte aus dem privaten Vermögen zur Verfügung zu stellen, erneuert', sagte eine Sprecherin der Familie. Die Banken hätten darauf positiv reagiert. Informierte Kreise erwarten, dass es im Rahmen dieser Lösung zu einem Verkauf der Ulmer Arzneimittelgruppe Ratiopharm kommen wird, die 5400 Mitarbeiter beschäftigt. 'Wir glauben weiterhin, dass wir eine Lösung für die Finanzsituation erreichen können. Wir sind hierbei auf das Mitwirken der Banken angewiesen', wird Ludwig Merckle in einer Pressemitteilung zitiert.

Wie berichtet, benötigt die Merckle-Gruppe kurzfristig bis zu 1 Mrd. EUR an Liquidität. Grund für den Engpass sind unter anderem das kreditfinanzierte Engagement der VEM beim hoch verschuldeten Baustoffkonzern Heidelberg Cement. Als Sicherheiten hierfür wurden Aktien hinterlegt. Nach dem Absturz des Börsenwertes im Zuge der Finanzkrise fordern die Banken nun neue Sicherheiten und frisches Kapital. Zudem verlor die Merckle-Gruppe durch Fehlspekulationen einen dreistelligen Millionenbetrag.

In der VEM, zu deren Geschäftsführern Firmenpatriarch Adolf Merckle und sein Sohn Ludwig (43) gehören, sind mehrere Merckle-Beteiligungen gebündelt. Sie ist alleinige Gesellschafterin von Ratiopharm und hält 25,46 Prozent an Heidelberg Cement. Nach einem Bericht des 'Handelsblattes' ist die VEM mit 2,3 Mrd. EUR verschuldet. Die Verbindlichkeiten der Spohn Cement GmbH (Norderfriedrichskoog), die 53,6 Prozent der Heidelcement-Anteile hält, sollen 2,6 Mrd. EUR betragen. Die VEM äußerte sich zu diesen Zahlen gestern nicht.
© Südwest Presse 04.12.2008 07:45
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