KOMMENTAR: Ein Akt der Befreiung

Postchef Frank Appel startet einen Befreiungsschlag: Mit der Ankündigung, das Luftfracht- und Bodentransportgeschäft der US-Tochter DHL Express einzustellen, bewahrt er den gelben Riesen vor weiterem finanziellen Schaden. Das US-Engagement, das der damalige Postchef Klaus Zumwinkel im Jahr 2000 als wichtigsten Bestandteil seines großen Traums vom Global Player begonnen hatte, hat sich bisher nicht ausgezahlt und würde es wohl auch absehbar nicht tun.

Anfangs waren es hausgemachte Probleme wie Mängel in der Organisation und in der Preispolitik, die den Wettbewerb mit den US-Konkurrenten UPS und Fedex erschwert haben. Nun setzt die Wirtschaftskrise in den USA dem deutschen Logistiker heftig zu. Sinken Produktion und Absatz, müssen auch weniger Waren bewegt werden. Auf bessere Zeiten zu warten, hätten der Post aber weitere Verluste im Milliardenhöhe beschert.

So bitter es für die DHL-Mitarbeiter in den USA ist, den Job zu verlieren, so wichtig ist es für die Post, sich wieder mehr auf ihr Stammgeschäft zu besinnen. Denn auch in Deutschland schwächelt die Konjunktur - mit unabsehbaren Folgen. Dem trägt Appel mit dem Rückzug Rechnung. Und er zeigt, dass er ein gutes halbes Jahr nach Amtsantritt bereit ist, die Post mit eigener Handschrift zu führen. KAREN EMLER
© Südwest Presse 11.11.2008 07:45
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