Börsenkrise könnte Allianz noch belasten

Ohne Börsenerholung droht dem Allianz-Konzern ein Milliardenverlust. Die Dresdner Bank hat das Quartalsergebnis ins Minus gezogen.Der Allianz-Konzern schließt eine weitere Milliardenbelastung aufgrund der Finanzmarktkrise nicht aus. Wenn sich die Aktienkurse bis Jahresende nicht erholen, werde das Ergebnis des vierten Quartals mit einer zusätzlichen Wertberichtigung von rund 1 Mrd. EUR belastet, sagte Finanzvorstand Helmut Perlet gestern. Aber die Dresdner Bank habe keinen Einfluss mehr auf das Ergebnis der Allianz-Gruppe.

Obwohl vor allem die Investmentbanker der Dresdner Bank für die bisher durch die Finanzkrise verursachten Verluste von 3,7 Mrd. EUR verantwortlich sind, werden sie in diesem Jahr noch mit Bonuszahlungen bedacht. Allianz-Finanzvorstand Helmut Perlet bestätigte die bereits im Sommer vereinbarte Regelung. Angeblich soll es um insgesamt 400 Mio. EUR gehen. Ein Drittel davon sollen Prämien sein, um die Investmentbanker auch nach dem Verkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank zu halten.

Vor allem die Dresdner Bank hat die Allianz im dritten Quartal mit Verlusten nach Steuern in Höhe von 1,35 Mrd. EUR tief nach unten gezogen. Im Vorjahr hatte das Minus nur bei 78 Millionen Euro gelegen. Für die ersten neun Monate beläuft sich der Verlust auf 2,43 Mrd. EUR. Erneut musste die Dresdner Bank Wertberichtigungen in Höhe von 650 Mio. EUR bilden. Deutliche Bremsspuren hinterließen die Finanzkrise und die Zurückhaltung der Kunden auch im klassischen Bankgeschäft.

Das schlechte Ergebnis ließ auch die Kapitaldecke der Bank weiter schrumpfen. Die Kernkapitalquote, die das Eigenkapital in Relation zu den ausgereichten Krediten wiedergibt, ging von 9,3 Prozent Ende Juni auf 8,1 Prozent Ende September zurück. Trotzdem will die Dresdner Bank laut Perlet im Gegensatz zum künftigen Eigentümer Commerzbank nicht auf das Banken-Rettungspaket zurückgreifen. 'Aus heutiger Sicht' sei das auszuschließen. Die Bank habe eine wettbewerbsfähige Kapitalquote.

Am Verkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank will die Allianz nicht rütteln. Es gebe einen unterschriebenen Vertrag und er sehe keine Grund, warum die Übergabe noch scheitern sollte, sagte Perlet. Bis Ende 2009 will die Commerzbank die Dresdner Bank für rund 9,8 Mrd. EUR übernehmen. otr/AP
© Südwest Presse 11.11.2008 07:45
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