Warten auf den Ansturm arbeitsloser Banker

Zeitarbeitsfirma Bankpower kümmert sich um Stellensuchende in der Branche
  • Bayern-LB-Mitarbeiter machten im Oktober mit einem Protest ihrem Zorn Luft. Durch die Finanzkrise sind in der Bankenwelt Jobs bedroht. Foto: dpa
Immer mehr Banken geraten in finanzielle Schieflage, immer mehr Bankangestellte bangen um ihren Job. Die Firma Bankpower ist darauf spezialisiert, arbeitslose Banker in neue Jobs zu vermitteln.Melanie Reitz wird spätestens im nächsten Jahr deutlich mehr zu tun haben. Dann wenn die Finanzkrise vermutlich zum Abbau von Arbeitsplätzen bei Banken und Sparkassen führt. Dann wenn die größte Übernahme im Bankensektor umgesetzt wird und die Commerzbank nach dem Kauf der Dresdner Bank mit dem Abbau von Tausenden von Arbeitsplätzen beginnt. Und wenn die Landesbanken notwendige Sparmaßnahmen umsetzen. Melanie Reitz ist Geschäftsführerin von Bankpower.

Das Joint Venture des Zeitarbeitsunternehmens Manpower und der Deutschen Bank kümmert sich um freigesetzte Banker, verschafft ihnen Jobs als Zeitarbeitnehmer, bietet ihnen Weiterqualifizierungsmaßnahmen. Vor zehn Jahren wurde Bankpower gegründet - als Übergangslösung, um den Beschäftigungsabbau bei den Großbanken abzufedern. Heute ist das Unternehmen fester Partner der Banken, die ihm längst auch die Beschaffung von Personal anvertrauen.

Die Nachfrage nach qualifizierten Bankern für befristete Aufgaben ist trotz, vielleicht aber auch wegen der Finanzkrise enorm. Wobei sich aber auch 40 Prozent der Kandidaten für Bankpower aus bestehenden Arbeitsverhältnissen melden. 'Wenn vor unserem Büro ein Bus mit 50 Bankern halten würde, nehme ich die sofort', sagt Reitz. 'Uns fehlen gute Bankkaufleute.' 400 sind es derzeit. In der Regel geht es um Jobs in der zweiten und dritten Reihe. 400 Vakanzen gibt es derzeit. Gesucht sind Vertriebsleute, Sachbearbeiter, junge Bankkaufleute, Kassierer, auf Banken spezialisierte Sekretärinnen, Mitarbeiter für den Zahlungsverkehr oder die Wertpapierabwicklung.

Rund 900 Banker hat Bankpower derzeit unter Vertrag. Reitz ist seit der Geburtsstunde von Bankpower dabei und hat 1997 für Manpower die Verhandlungen mit der Deutschen Bank geführt, die damals 5000 Stellen sozialverträglich abbauen wollte. Die Deutsche Bank beteiligte sich mit 30 Prozent an Bankpower und tut das bis heute. Bankern wurde der Wechsel zu Bankpower angeboten, wo sie geschult und auf Zeit an andere Institute vermittelt wurden. Einige Hundert Deutschbanker sollen über Bankpower einen neuen festen Job gefunden. Die Wechselquote in eine feste Stelle beträgt 45 Prozent.

Heute verwenden die 60 Mitarbeiter bei Bankpower in Frankfurt, München, Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Köln, Stuttgart, Nürnberg einen großen Teil ihrer Arbeitszeit für die Vermittlung von Personal, mitunter auch für ganze Abteilungen oder Filialnetze. Durch die Finanzkrise erwartet Bankpower einen Schub. '2009 könnte ein Boomjahr für die Zeitarbeit bei Banken werden. Vielleicht sehen wir jetzt die Ruhe vor dem Sturm' - und warten auf noch mehr Umsatz. 2007 wurden rund 30 Mio. EUR umgesetzt, der Gewinn lag bei 2,6 Mio. EUR. In den vergangenen Jahren lagen die Wachstumsraten bei jeweils rund 20 Prozent. Der einzige Wettbewerber, - die 1998 von Commerzbank und der Zeitarbeitsfirma Adecco gegründete Adcom -, hat aufgegeben.

Die Gewerkschaften freilich sind von Bankpower nicht begeistert. 'Das ist eine stinknormale Zeitarbeitsfirma. Sie fördert die Entstehung von prekären Arbeitsverhältnissen und die Auslagerung von Abteilungen mit schlechter bezahlten Jobs', sagt ein Verdi-Sprecher.

Tatsächlich verdienen Banker bei Bankpower weniger als in ihrem ursprünglichen Job. Reitz räumt ein: 'Ein Filialleiter muss sich bei uns mit 10 bis 15 Prozent weniger begnügen.' Aber das sei doch immer noch besser, als auf der Straße zu stehen.
© Südwest Presse 05.11.2008 07:45
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