Banken voll in der Haftung

Pleite von Lehman könnte Fonds mit sechs Milliarden Euro belasten
  • Aufarbeitung: Mitarbeiter und Passanten notieren zum Teil bissige Bemerkungen neben das Portät des Lehman-Chefs Richard Fuld. Foto: AP
Deutsche Kreditinstitute werden sich bei ihren Forderungen gegenüber der insolventen US-Investmentbank Lehman Brothers nicht auf den Einlagensicherungsfonds der deutschen Banken stützen können.Der Einlagensicherungsfonds der Banken deckt nur Einlagen von Privatkunden, Industrieunternehmen und Versicherungen. Damit fallen die Forderungen von Allianz und Münchner Rück unter den Schutz. Die Allianz beziffert das Risiko bei Lehman auf 400 Mio. EUR, bei der Münchener Rück sind 350 Mio. EUR. Die Pleite von Lehman könnte den Fonds Schätzungen zufolge mit 6 Mrd. EUR belasten. Das genaue Engagement deutscher Banken ist nicht bekannt. Nur die bundeseigene KfW räumt einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag ein. Noch an diesem Montag hatte sie Lehman fälschlicherweise 300 Mio. EUR für ein kompliziertes Finanzgeschäft überwiesen. Die Umstände würden geprüft, heiß es. Bei der WestLB geht es angeblich um einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag. Alle anderen Institute machen keine Angaben. Überall heißt es aber, die Belastungen seien verkraftbar.

Fest steht offenbar, dass die drohende Insolvenz auch der deutschen Lehman den Einlagensicherungsfonds nicht gefährdet, auch wenn es der bislang größte Schadensfall werden könnte. 'Wir werden auch dieses Problem abarbeiten', sagt ein Privatbanker. Offizielle Angaben über das Volumen des Fonds gibt es nicht.

Generell sei es noch viel zu früh, die Konsequenzen für den Sicherungsfonds zu beziffern. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hatte für die deutsche Lehman am Montag ein Moratorium verfügt und die Bank faktisch geschlossen. Es gilt in der Regel für maximal sechs Wochen. In dieser Zeit muss entschieden werden, ob ein Insolvenzverfahren eröffnet wird oder ob sich ein Käufer findet. Im Fall der deutschen Lehman scheint dies nicht ausgeschlossen. Die britische Barclays Bank hat nach der Übernahme von Teilen des US-Geschäftes von Lehman offenbar auch Interesse an Teilen der Europa-Aktivitäten.

Die gesamten Außenstände der deutschen Lehman beziffert die Bafin mit 14,3 Mrd. EUR. Für die Einlagensicherung relevant sind offenbar nur rund 6 Mrd. EUR, weil die Außenstände aller Banken, also von privaten Instituten, Landesbanken, Sparkassen und genossenschaftlichen Banken, nicht gedeckt werden.

Unklar ist auch, inwiefern der Fonds für von Lehman verbriefte Schuldscheindarlehen gerade stehen müsste. 'Das sind sehr komplexe Produkte. Sind sie frei handelbar fallen sie nicht unter die Sicherung', sagt ein Insider. Generell schützt der Fonds Sicht-, Termin-, Spareinlagen einschließlich auf den Namen lautender Sparbriefe. Bei Lehman sind Kundeneinlagen bis zu 285 Mio. EUR je Einleger abgesichert. Privatkunden sind von der möglichen Pleite nicht betroffen, es sei denn, sie besitzen von Lehman ausgegebene Zertifikate. Hier gibt es keinen Schutz.

Selbst bei Verpflichtungen in Höhe von 6 Mrd. EUR wäre der Einlagensicherungsfonds, so Experten, nicht überlastet. Grund: Bei Zahlungen wie zuletzt im Frühsommer nach der Pleite der Weserbank in Bremen, kommt in der Regel 80 bis 90 Prozent aus dem Insolvenzverfahren zurück, sagen Insider. Für Kunden der Weserbank hatte der Fonds 26 Mio. EUR gezahlt. Bislang größter Schadensfall für die Einlagensicherung war die Pleite des Bankhauses Fischer in den 90er Jahren mit rund 1,6 Mrd. D-Mark.

Der Fonds speist sich aus Abgaben der 180 Mitgliedsbanken. Sie müssen 0,3 Promille der in der Bilanz ausgewiesenen Verbindlichkeiten gegenüber Kunden einzahlen.
© Südwest Presse 18.09.2008 07:45
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