Teilzeit ist meist Wunschjob

Zahl der 'normalen' Vollzeitstellen gesunken - Zeitarbeit stark gestiegen
Teilzeit- und Mini-Jobs haben in den vergangenen zehn Jahren den Arbeitsmarkt belebt. Diese 'untypischen' Beschäftigungsverhältnisse müssen nicht zur Armut führen. 70 Prozent der Teilzeitstellen sind Wunschjobs.Teilzeitjobs, Arbeitsplätze mit Minilohn, befristete Anstellungen und Zeitarbeit sind nach einer Analyse des Statistischen Bundesamtes in den letzten zehn Jahren immer wichtiger geworden. Ende 2007 standen mit 7,7 Millionen rund 1,1 Mio. Menschen mehr in solchen Beschäftigungsverhältnissen als noch 1997. Damit steht heute jeder vierte Arbeitnehmer (25,5 Prozent) in einer dieser neuen Beschäftigungsformen; vor zehn Jahren waren es noch 17,5 Prozent gewesen. Als grundsätzlich 'prekär' können diese Arbeitsverhältnisse aber nicht gelten.

Bei ihnen ist der Anteil von Frauen überproportional hoch. Zudem finden sich dort mehr junge Menschen, gering oder schlecht qualifizierte Personen sowie Ausländer, die nicht aus EU-Staaten stammen. Vor allem das Gastgewerbe, der Handel, Reparaturwerkstätten, der Immobiliensektor und andere Dienstleistungsbereiche setzen auf die so genannte 'atypische Beschäftigung'. Dort liegt die Quote bei jeweils rund 35 Prozent.

Insgesamt waren Ende 2007, wie Wolfgang Strohm vom Statistischen Bundesamt sagte, rund 22,5 Mio. Erwerbstätige in 'normalen' Arbeitsverhältnissen beschäftigt. Ihre Zahl ist seit 1997 um 1,53 Millionen gesunken. Seit 2005 steigt die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Vollzeitstellen aber wieder an.

Mit anderen Worten: Die Zunahme der Beschäftigung seit 1997 basiert ausschließlich auf dem Zuwachs von Teilzeitjob mit maximal 20 Wochenstunden, von befristeten und geringfügig entlohnten Stellen und auf Zeitarbeit. Allerdings lassen die Zahlen laut Strohm keinen Rückschluss darauf zu, wie viele volle Stellen in Teilbeschäftigungen oder in andere atypische Beschäftigung umgewandelt wurden. Dass für die Entwicklung vor allem Hartz IV verantwortlich ist, könne man aus den Zahlen auch nicht ablesen.

Überraschend ist, dass die Zeitarbeit trotz einer Zunahme von 180 000 auf 614 000 Stellen mit einem Anteil von 0,2 Prozent an allen atypischen Arbeitsverhältnissen immer noch eine geringe Rolle spielt. Am stärksten zugenommen hat zuletzt die Teilzeitbeschäftigung um 45 Prozent auf fast 5 Millionen. Geringfügig beschäftigt waren Ende 2007 rund 2,8 Mio. Menschen, befristet angestellt rund 2,7 Millionen. Dabei gibt es nach Angaben von Strohm ausgeprägte Überschneidungen. '2007 waren zum Beispiel 2,1 Mio. Frauen und Männer gleichzeitig geringfügig und in Teilzeit beschäftigt.'

Generell finden sich deutlich mehr Frauen als Männer in atypischen Beschäftigungen, mit Ausnahme der Zeitarbeit. Dort handelt es sich oft allerdings auch um Vollzeitjobs. 71 Prozent aller so Beschäftigten waren Ende 2007 Frauen, nur 29 Prozent Männer. Dabei weisen die Statistiker darauf hin, dass nicht nur ökonomischer oder familiärer Druck die Menschen zu Teilzeitjobs bringt. Über 70 Prozent suchten sich solche Arbeitsplätze ganz bewusst und freiwillig.

Andererseits werden Teilzeitjobs, befristete oder gering entlohnte Stellen vor allem für junge Menschen auch eine wichtige Einstiegsmöglichkeit in den normalen Arbeitsmarkt. Rund 39 Prozent sind zwischen 15 und 24 Jahre alt, weitere 27 Prozent zwischen 25 und 34 Jahre. Allerdings ist dies möglicherweise auch ein Indiz für eine nur geringe Qualifizierung.

Für Unternehmen in allen Branchen werden Teilzeitarbeit, befristete Arbeitsverhältnisse, Mini-Jobber und auch Zeitarbeit mit Blick auf Personalkosten und Flexibilisierung offenbar immer wichtiger. In allen Wirtschaftszweigen ist ihr Anteil mehr oder weniger deutlich gestiegen. Den höchsten Anteil an normalen Arbeitsverhältnissen gibt es mit gut 90 Prozent in der Energie- und Wasserversorgung, den geringsten mit 64 Prozent bei öffentlichen und persönlichen Dienstleistungen. Vor zehn Jahren hatten hier noch 72 Prozent einen Vollzeitjob.
© Südwest Presse 10.09.2008 07:45
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