Aus der Nische heraus in den Massenmarkt

Jetzt soll die Verbindung zwischen TV und Internet endlich beim Kunden ankommen
  • Fernsehen, wohin das Auge auf der Ifa auch blickt: Jetzt soll es noch wichtiger werden und zum Internet-TV zusammenwachsen. Foto: AP
Die Ifa in Berlin betont einen Trend, der schon oft angekündigt wurde, jetzt aber endgültig kommen soll: das Zusammenwachsen von TV-Gerät und Internet. Die großen Hersteller präsentieren die Produkte.Das Zusammenwachsen von TV und Internet wurde schon oft verkündet - auch jetzt wieder auf der Ifa. Doch bislang haben sich nur wenige Fernsehzuschauer in Deutschland entschieden, einen herkömmlichen TV-Anschluss über Antenne, Kabel oder Satellit gegen das TV-Menü aus dem Internet einzutauschen. Auf der Ifa 2008 zeigten sich aber etliche Aussteller zuversichtlich, das Internet-Fernsehen aus der Nische auf den Massenmarkt bewegen zu können.

Derzeit nutzen rund 300 000 Haushalte das Internet-TV (IPTV), berichtete die Deutsche TV-Plattform. Den Löwenanteil machen die 250 000 Kunden der Telekom mit dem Angebot 'T- Home Entertain' aus; weitere 20 000 sind bei Hansenet mit Alice. Die Tochter der Telecom Italia offeriert seinen Neukunden derzeit sogar das Netzfernsehen als kostenloses Zusatzmodul, während T-Home und Arcor/Vodafone dafür rund 10 EUR verlangen.

Bei der Telekom soll ein umfangreiches Schnupperangebot die Akzeptanz des Internet-Fernsehens vorantreiben. T-Home-Kunden können das 'Entertain'-Paket zwei Monate lang kostenlos testen. Dabei geht die Telekom davon aus, dass die meisten Tester von dem Angebot so begeistert sind, dass sie dann - je nach Netzgeschwindigkeit - 50 EUR oder mehr für das komplette 'Triple Play' (Telefon, Internet und TV aus einer Steckdose) ausgeben. 'Internet wird ein Massenmarkt werden', sagte Telekom-Vorstandsmitglied Timotheus Höttges.

Die Ifa-Besucher bekommen neben reinen IPTV-Lösungen auch etliche Internet-Anwendungen auf dem Fernseher zu sehen, bei denen herkömmliche TV-Signale mit kleinen Anwendungen aus dem Internet kombiniert werden. So kündigte der japanische Elektronikkonzern Panasonic ein neues TV-Gerät an, mit dem per Knopfdruck Dienste des Internetgiganten Google wie die Video-Plattform You-Tube, eine Wettervorhersage oder Finanznachrichten aufgerufen werden können. Außerdem können über den Panasonic-Fernseher Videos des Senders Eurosport in HD-Auflösung heruntergeladen werden.

An den guten, alten Videotext erinnert Samsung mit der Funktion 'Info Life': Auch hier kann der Zuschauer über die Fernbedienung Nachrichten, Börsenkurse oder den Wetterbericht aus dem Internet holen. Die Inhalte liefert hier der Web-Konzern Yahoo. Zudem baut der koreanische Hersteller eine Bibliothek mit Informationen zu Themen wie Kochen, Spielen oder Fitness ein.

Auch der Unterhaltungselektronik-Riese Sony hat die Netzwerk-Ära ausgerufen. Man will den größten Teil der Produkte HD-netzwerktauglich machen. Damit könnten auch Daten in hoher Auflösung in den eigenen vier Wänden drahtlos 'durch die Luft' geschickt oder aus dem Internet abgerufen werden.

Die Unternehmensberatung Roland Berger geht davon aus, dass die unterschiedlichen Varianten von 'Web-TV' mit Inhalten aus dem Netz den etablierten TV-Anbietern Konkurrenz machen werden. Voraussetzung sei, dass Web-TV nicht mehr vorrangig auf dem PC konsumiert werde, sondern sich auch auf dem herkömmlichen Fernsehbildschirm etabliere: 'Web-TV lockt mit Interaktivität, Verfügbarkeit nach Bedarf und umfassenden Kommunikations- und Personalisierungsmöglichkeiten', heißt es in einer Studie.

Dieser Trend werde sich verstärken, weil der größte Teil des Web-TV-Angebots werbefinanziert sei und 'damit für die Endverbraucher kostenlos bleiben dürfte'. dpa
© Südwest Presse 01.09.2008 07:45
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