Kühe als großer Klimakiller

Verbraucherorganisation Foodwatch: Landwirtschaft fast so schädlich wie Straßenverkehr
  • Schädlicher als Autoabgase? Kühe produzieren als Wiederkäuer jedenfalls massenhaft Treibhausgase. Foto: dpa
Die Landwirtschaft ein Klimakiller: Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Verbraucherorganisation Foodwatch. Sie lässt allerdings die Schadstoff-Bindung durch die Landwirtschaft außen vor.Ackerbau und Tierhaltung sind für das Klima fast genau so schädlich wie der Straßenverkehr. 133 Mio. Tonnen CO2 aus der Landwirtschaft stehen einer Studie zufolge rund 152 Mio. Tonnen aus dem Straßenverkehr gegenüber. An dieser Klimabilanz würde auch eine völlige Umstellung auf Ökolandbau kaum etwas ändern, ist das überraschende Ergebnis einer Foodwatch-Untersuchung.

Kunden sollten ihren Konsum von Milch und Rindfleisch reduzieren, fordert die Verbraucherorganisation als Konsequenz aus der vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) erstellten Studie. Denn demnach ist die Klima-Bilanz von Bio-Lebensmitteln keineswegs immer besser als die herkömmlicher Produkte. So kann Bio-Fleisch aus der Rindermast bis zu 60 Prozent mehr Kohlendioxid verursachen als konventionell produziertes Fleisch, weil dafür größere Futtermittel-Anbauflächen nötig sind.

'Wieviel Klima kostet mein Essen?' ist dann auch die Frage, die Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode aufgeworfen hat. Die Antwort lautet in vielen Fällen: Eine ganze Menge. Die Herstellung von einem Kilogramm konventionellem Schweinefleisch verursacht so viel CO2 wie ein kleiner BMW, der 26 Kilometer fährt. Ein Kilogramm herkömmliches Rindfleisch aus der Mast schädigt demnach das Klima wie eine 71 Kilometer lange Autofahrt.

Die Landwirtschaft verursacht demnach 13 Prozent aller Treibhausgas-Emissionen in Deutschland. In die Rechnung fließen sämtliche Faktoren ein, die bei der Produktion von Milch, Fleisch und Gemüse anfallen: Der Tiermist ebenso wie der Treibstoff für die Fahrt mit dem Trecker.

Innerhalb dieses Bereichs ist die Tierhaltung inklusive der für sie angebauten Futterpflanzen für 71 Prozent der Treibhausgase verantwortlich. Rinder laufen dabei den Schweinen als Klimakiller noch den Rang ab. 'Der Schweinbraten ist bedeutend weniger klimaschädlich, weil das Schwein kein Wiederkäuer ist', erklärt IÖW-Leiter Thomas Korbun. Der Rest der Emissionen entstehe beim Pflanzenanbau (ohne Futtermittel).

Dabei sind nicht nur die Rinder und Säue arm dran. Einen erheblichen Anteil an der Produktion von Treibhausgasen hat laut Studie die Entwässerung von Moorgebieten. Diese machen zwar nur 8 Prozent der genutzten Fläche aus, entlassen aber knapp ein Drittel der Treibhausgase in die Luft. Der Grund: Feuchte Moore schließen Klimagase weg wie ein Tresor. Wird ihnen das Wasser entzogen, werden Gase freigesetzt.

Bode forderte die Bundesregierung auf, die Subventionen für die Landwirtschaft zu streichen und statt dessen Umweltsteuern einzuführen. Dabei müssten Preissteigerungen in Kauf genommen werden. Handeln müsse die Politik, die Verantwortung dürfe nicht dem Verbraucher aufgebürdet werden.

Der Deutsche Bauernverband wies die Ergebnisse der Studie zurück. Die CO2-Bilanz der Land- und Forstwirtschaft in Deutschland sei eindeutig positiv, hieß es. Den Emissionen stehe eine Bindung durch die Pflanzen in Höhe von mehr als 168 Mio. Tonnen gegenüber. 'Damit bindet die Land- und Forstwirtschaft 35 Mio. Tonnen mehr als sie jährlich emittiert', erklärte der Verband.

Am gesamten Treibhauseffekt in Deutschland seien Wiederkäuer wie Rinder, Schafe und Ziegen nach Angaben des Umweltbundesamtes zu rund 2 Prozent beteiligt. AP
© Südwest Presse 27.08.2008 07:45
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