Wenn ein Kratzer Alarm auslöst

Deutsche Lackfabriken haben viele Ideen
Deutschlands Lackindustrie gibt im Bereich der intelligenten Lacke mittlerweile weltweit den Ton an. Selbst Stromgewinnung scheint möglich.Lack soll nicht nur schützen. 'Unsere Entwicklungen und Planungen reichen von kratzfesten Lacken am Auto über selbstreinigende Fassadenfarben bis hin zu Lacken an Flugzeugteilen und Brücken, die bei Materialermüdungen oder mechanischen Spannungen Alarm auslösen', erklärt der Präsident der deutschen Lackindustrie, Peter Becker.

'Eine der großen Visionen, an der wir gerade mit Hochdruck arbeiten, ist es Lacke zu entwickeln, die aus Sonnenlicht Strom erzeugen.' Im Vorfeld ihrer Mitgliedsversammlung in Baden-Baden fordert Becker die Unternehmen auf, diese Chance zu nutzen und sich 'ihre eigene Konjunktur' zu schaffen.

In Sachen Innovationskraft, die von der heimischen Lackindustrie ausgeht, verweist der Verbandschef auf das Olympiastadion in Peking und die Münchner Allianz-Arena. Bei beiden Großprojekten seien Spezialbeschichtungen Made in Germany verwendet worden. 'Bei der Selbstreinigung von Oberflächen haben wir den so genannten Lotuseffekt kreiert. Dabei haben wir der Natur etwas abgeschaut', sagte Becker. Bei der Betrachtung der Oberflächenstruktur von Lotusblättern zeige sich, dass sie nicht extrem glatt seien, sondern eine winzige Noppenstruktur aufweisen. Dadurch werde die Anlagerung von Schmutzpartikeln verhindert. Beim Lack wird Schmutz vom Regen einfach abgewaschen.

Bei den Autolacken sieht Becker weiterhin den Trend zu hoch kratzfesten Beschichtungen. 'Das ist nicht nur etwas für Nobelfahrzeuge, sondern auch für das Auto von Otto Normalverbraucher', betonte Becker. In jedem Fall gehörten die Angst vor Waschanlagen und Kinder-Tapsern der Vergangenheit an.

Selbst für eine Verbesserung der Raumluft können Lacke sorgen, indem Substanzen beigefügt werden. Unter dem Slogan 'Wellnessfarben' würden erste Hotelketten dieses Produkt auf seine Alltagstauglichkeiten testen. 'Auch für den Krankenhausbereich und sonstige Produktionsstätten, in denen Hygiene oberstes Gebot ist, haben wir etwas zu bieten.' Das Zauberwort heißt Beschichtung mit antibakteriellen Eigenschaften.

In Deutschland sind derzeit in rund 250 Lackfabriken rund 20 000 Menschen beschäftigt. In Baden-Württemberg hat der Verband 35 Mitgliedsunternehmen mit etwa 7100 Beschäftigten. dpa
© Südwest Presse 21.05.2008 07:45
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