Wie Anleger geschützt sind

Pleite der Weserbank - Große Unterschiede beim Sparer-Schutz
Die Finanzkrise hat in Deutschland die erste Bank ruiniert: Die 'Weserbank' musste Insolvenz anmelden. Das wirft bei vielen Anlegern die Frage auf, wie ihr Vermögen bei einer Bankpleite geschützt wäre.Bei der Pleite einer Bank kommt es auf die Feinheiten an: Gehört die Bank der 'Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB)' an oder dem 'Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken'? Das klingt ähnlich, macht aber viel aus. Mancher Sparer könnte im Fall einer Pleite Verluste erleiden.

Die Entschädigungseinrichtung

Sie ist in der EU seit 1998 Pflicht für alle Kreditinstitute geworden. Der Entschädigungsanspruch umfasst alle Einlagen oder Gelder, die auf die Währung eines Staates des Europäischen Wirtschaftsraums oder auf Euro lauten. Der Mindestschutz je Kunde ist aber auf 90 Prozent der Einlagen, maximal 20 000 EUR begrenzt. In Deutschland leistet diese gesetzlich vorgeschriebene Entschädigungseinrichtung nur genau das, was die EU als Minimum gefordert hatte. Das heißt: Im Ernstfall bleiben die Sparer auf mindestens 10 Prozent Verlust sitzen.

Der Einlagensicherungsfonds

Er wurde 1976 als Folge der Herstatt-Pleite gegründet. Die Mitgliedschaft ist freiwillig. Der Einlagensicherungsfonds garantiert eine Art Vollkasko-Anspruch: Einlagen sind bei jedem Kunden bis zur Höhe von 30 Prozent des haftenden Eigenkapitals der jeweiligen Bank zum Zeitpunkt des letzten veröffentlichten Jahresabschlusses voll gesichert. Das entspricht Millionenbeträgen. Ist die Bank - wie die Weserbank - Mitglied im Einlagensicherungsfonds, ist der Sparer also im Prinzip gut geschützt.

Jedoch gilt der Schutz wie bei der Entschädigungseinrichtung nur für Sicht-, Termin- und Spareinlagen und auf den Namen lautende Sparbriefe. Verbindlichkeiten, über die eine Bank Inhaberpapiere ausgestellt hat, wie zum Beispiel Inhaberschuldverschreibungen, werden dagegen nicht geschützt.

Das selbe gilt für die in jüngster Zeit häufig verkauften Anlagezertifikate - dabei handelt es sich rechtlich um Inhaberschuldverschreibungen. Wer als Kunde solche Forderungen hat, müsste sie im Konkursfall beim Insolvenzverwalter anmelden.

Wertpapiere

Dagegen gehören Wertpapiere, die nur über die Bank verwaltet oder von ihr verwahrt werden, den Bankkunden. Dazu zählen auch Aktien und Anleihen. Sie befinden sich im so genannten Treuhandvermögen der Institute und fallen damit nicht in die Konkursmasse. Und, was ebenfalls wichtig ist: Wird eine Bank von der Aufsichtsbehörde geschlossen, können Wertpapierdepots weiterhin auf andere Institute übertragen werden.

Gelder in Investmentfonds bleiben von einer Bankenpleite ebenfalls unberührt - es handelt sich auch hier um Sondervermögen. Kontensparer wiederum müssten nach einer Bankschließung erst einmal abwarten, was passiert. Entweder die Bank darf später weitermachen, dann können sie direkt über ihr Konto verfügen. Oder die Aufsichtsbehörden, in Deutschland also die Bundesfinanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), stellt wegen Insolvenz den so genannten Entschädigungsfall fest: Dann bekommen die Sparer ihr Geld oder zumindest den über die entsprechende Entschädigungseinrichtung abgesicherten Teil zurück, ohne dass sie vorher irgendwelche Anträge dafür stellen müssen.

Fonds der Bausparkassen

Die Sparkassen sowie die Volks- und Raffeisenbanken haben eigene Sicherungssysteme aufgebaut, wodurch die Einlagen nach Angaben der Verbände jeweils vollständig geschützt sind. Beide Sicherungssysteme lassen sich als eine Art Selbsthilfe-Organisation beschreiben: Gerät ein Unternehmen in Schwierigkeiten, kommen andere zur Hilfe. Die Sparkassen haben dafür mehrstufige Stützungsfonds, die Volks- und Raiffeisenbanken einen Garantiefonds sowie einen Garantieverbund.

Die Bausparkassen wiederum sind meisten Mitglied im Bausparkassen-Einlagensicherungsfonds, wodurch Spar-Einlagen dort bis zu 250 000 EUR gesichert sind; Bauspar-Guthaben sogar unbegrenzt. Bausparkassen, die zu Banken gehören, sind durch den Einlagensicherungsfond der jeweiligen Bank geschützt.
© Südwest Presse 11.04.2008 07:45
722 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?