Geld nicht automatisch vernichtet

Banken müssen Wertpapiere zu aktuellen Kursen bilanzieren. Sacken diese ab, fallen Wertberichtigungen an, Geld wird dabei aber nicht vernichtet.Ein Ende der Finanzkrise und damit der Belastungen für die Banken ist nicht abzusehen. 7,2 Mrd. EUR bei Mittelstandsbank IKB. In München musste die Bayern LB Risiken von insgesamt 4,3 Mrd. EUR einräumen für Wertpapiere, die derzeit keiner haben will. Beim Branchenführer Deutsche Bank summierten sich die Belastungen im ersten Quartal auf 2,5 Mrd. EUR. Freilich: Hinter diesen Angaben verbergen sich zunächst Wertberichtigungen, keine Abschreibungen und damit tatsächlich eingetretene Verluste.

Unstrittig ist, dass die Geldhäuser in hochriskante Papiere investiert haben, für die sie eigentlich zu wenig Eigenkapital und damit zu wenig Sicherheiten vorhalten. Andererseits müssen die Institute auch den verschärften internationalen Bilanzierungsvorschriften Tribut zollen. Danach sind Wertpapiere nach dem aktuellen Marktwert zu bewerten. Genau darauf beziehen sich die aktuellen Wertberichtigungen.

Wie die Banken derzeit die Wertberichtigungen genau ansetzen, ist schwer zu durchschauen. Der Grund: Für etliche der kritischen Papiere gibt es im Moment überhaupt keine Nachfrage, damit keinen Markt und keinen Preis. Gemeinsam mit Wirtschaftsprüfern haben die Institute Verfahren entwickelt, um einen zumindest fiktiven Marktpreis zu ermitteln. Was genau dahinter steckt, wissen nur Insider. Wertberichtigungen kann es freilich auch nach oben, wenn die Marktpreise wieder steigen. Das heißt: Der Wert der derzeitigen Schrott-Papiere könnte auch wieder steigen, die Belastungen würden sich dann verringern.

Anders ist die Situation, wenn eine Bank oder auch ein Unternehmen eine Forderung abschreiben muss. Damit wird dokumentiert, dass das Geld endgültig weg ist, weil das Unternehmen, das eine Anleihe ausgegeben hat, sie nicht mehr zurückzahlen kann. Das Papier hat also keinen Wert mehr. Deshalb muss die Bank die Forderung aus ihren Büchern nehmen und das Loch mit Geld aus anderen Quellen stopfen oder einen Verlust hinnehmen.

Bei der Bayern LB etwa gab es bislang Abschreibungen und damit tatsächlich Zahlungsausfälle von 100 Mio. EUR. Für insgesamt 24 Mrd. EUR muss Vorsorge getroffen werden - durch milliardenschwere Garantien der Eigentümer. otr
© Südwest Presse 10.04.2008 07:45
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