KOMMENTAR: Schmerzliches Eingeständnis

Bereits in der vergangenen Woche hat Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann versucht, die Öffentlichkeit auf schlechte Nachrichten vorzubereiten. 2,5 Milliarden Euro Abschreibungen sind in der Tat schlechte Neuigkeiten, auch wenn es der Schweizer Konkurrenz noch miserabler geht. Aber gemessen an den hohen Ansprüchen und den hehren Reden aus dem Haus des Branchenprimus sind die Milliardenabschreibungen doch ein schmerzliches Eingeständnis.

Die Börse feiert den Rückschlag trotzdem, weil sie hofft, dass damit das Schlimmste ausgestanden ist. Vor dieser Euphorie sei gewarnt: Niemand, wohl auch nicht die Bilanz- und Bewertungsspezialisten der Deutschen Bank, können heute mit Gewissheit sagen, dass mit ihren Abschreibungen alle Lasten beseitigt sind und ob es nicht noch weiteren, noch schmerzhafteren Korrekturbedarf gibt. Diese Erkenntnis gilt nicht nur für die deutsche Nummer eins, sie gilt nicht nur für die sich fleißig am Rechnen und Verrechnen befindlichen Landesbanken, sie gilt auch für die übrige Kreditwirtschaft. Denn Wohl und Wehe hängt nicht vom Geschäftsgebaren in Deutschland ab, sondern von der US- und der Weltwirtschaft. Wenn diese in die Knie geht, dann sind die derzeitigen Bewertungsprobleme gering gegen das, was auf uns alle noch zukommt. SIEGFRIED BAUER
© Südwest Presse 02.04.2008 07:45
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