Airbus findet keinen Käufer

Verhandlungen mit OHB gescheitert - Bald Entscheidung für Laupheim
  • Über den Verkauf des Werks Laupheim wird noch verhandelt, die anderen deutschen Airbus- und EADS-Standorte werden zunächst nicht verkauft. Foto: AP
Erst stieg Voith aus, jetzt sind die Verhandlungen mit der Bremer OHB gescheitert: Airbus findet für drei deutsche Werke nicht den passenden Käufer. Die Entscheidung zu Laupheim stehe aber bevor.Der Verkauf der Airbus- und EADS-Werke in Varel, Nordenham und Augsburg mit rund 6800 Beschäftigten ist nach monatelangen Verhandlungen gescheitert. Ein neuer Interessent ist laut Industriekreisen nicht in Sicht. Die Werke dürften damit länger unter dem Dach der Airbus-Mutter EADS bleiben. Airbus bekräftigte, grundsätzlich an den Verkaufsplänen festzuhalten.

Das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB Technology habe sich aber als der falsche Partner herausgestellt, hieß es in einer Mitteilung. Die Bundesregierung bedauerte das Scheitern des Verkaufs. Die IG Metall sprach sich gegen weitere Verhandlungen aus.

Die zum Verkauf stehenden deutschen Airbus-Werke sollen für die Partnersuche nun in eine eigenständige Einheit ausgegliedert werden, sagte Airbus-Sprecher Stefan Schaffrath. EADS arbeite an Alternativlösungen: 'Wir sprechen über andere Partnerschaftsmodelle.'

Für das Werk Laupheim, das nicht an OHB verkauft werden sollte, liefen die Verkaufsverhandlungen weiter. In einem Schreiben an die Mitarbeiter, das der SÜDWEST PRESSE vorliegt, betont Airbus-Chef Tom Enders, dass eine Entscheidung für Laupheim bis Ende April getroffen werden soll. Er wolle sich persönlich dafür einsetzen. Hoffnungen macht sich hier weiterhin der Nürnberger Rüstungs- und Technikkonzern Diehl. Die Gespräche mit EADS kämen gut voran, sagte ein Diehl-Sprecher. Diehl liefert Airbus bereits Beleuchtungssysteme und Cockpit-Elektronik.

Der Verkauf der Werke war im Februar 2007 als Teil des Sanierungsprogramms 'Power 8' angekündigt worden. Der Rückschlag beim Verkauf an OHB bedeutet, dass EADS nun viel investieren und Entwicklungsrisiken beim neuartigen A 350, die man durch den Werksverkauf loswerden wollte, vorerst selber tragen muss. Zudem müsse EADS nun selbst die geplante Kostensenkung von 8 Prozent in den Werken durchsetzen, hieß es in Industriekreisen. Ein Stellenabbau sei aber nicht zu erwarten. Im Gegenteil: Es könnten auch neue Jobs bei der Zulieferung entstehen.

EADS strebt laut Airbus-Sprecher Schaffrath für den Verkauf der Werke in Frankreich und Großbritannien eine Lösung bis zum Sommer an. Am wenigsten schwierig liefen die Gespräche über das englische Airbus-Werk Filton. In Frankreich sollen Gespräche mit dem französischen Zulieferer Latécoère über die Werke Méaulte und Saint-Nazaire Ville in den nächsten Wochen abgeschlossen werden.

Der europäische Flugzeugbau- und Rüstungskonzern EADS hatte sich im Dezember für eine deutsche Lösung für drei seiner Werke in Deutschland entschieden. OHB war zum bevorzugten Bieter für die Airbus-Werke in Nordenham und Varel sowie für das EADS-Werk in Augsburg bestimmt worden. Mit im Boot war auch der US-Finanzinvestor Cerberus.

Airbus wolle in die Zukunft mit starken Partnern gehen, die mit dem Konzern die Kosten für Technology und Entwicklung teilen und große Arbeitspakete zu annehmbaren Preisen liefern können, sagte Enders. 'Das konnten wir einfach nicht von OHB bekommen.' Der steigende Euro-Kurs habe die Verhandlungen belastet. 'Es wird keinen Weg zurück geben', sagte Enders.

Die Partnersuche würden von der Zeitschiene für den Airbus A 350 bestimmt. EADS starte die nötigen Investitionen, um das Flugzeug von 2013 an rechtzeitig den Kunden anbieten zu können.

OHB bedauerte das Scheitern und betonte, die Finanzierung des Geschäfts sei gesichert gewesen. 'Es ist schade, dass die Lösung mit OHB/MT Aerospace nicht zum Erfolg geführt hat', sagte der Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt, Wirtschaftsstaatssekretär Peter Hintze. Für die Regierung bleibe es 'allererste Priorität, dass auch künftig Forschung, Entwicklung und industrielle Produktion der Strukturteile in Deutschland verbleiben'. MT Aerospace ist eine OHB-Tochter. ref/dpa
© Südwest Presse 28.03.2008 07:45
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