Ackermann fordert Eingriffe

Finanzkrise raubt Deutsche-Bank-Chef Glauben an Selbstheilungskräfte
  • Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann fordert wegen der Finanzkrise ein Eingreifen von Notenbanken und Regierungen. Im Bild ein Blick in den Handelssaal der New Yorker Börse. Foto: dpa
Die Geldwirtschaft ist mit ihrem Latein am Ende: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann glaubt nicht mehr an die Selbstheilungskräfte des Marktes und ruft nach staatlicher Hilfe für den Finanzsektor.Es ist nicht nur der Chef der Deutschen Bank, der nach Hilfe ruft. Josef Ackermann ist auch Vorsitzender des Institute of International Finance (IIF), der mächtigsten Bankervereinigung, in der sich die 300 größten Institute aus aller Welt zusammengeschlossen haben. Sie kapitulieren vor der von ihnen selbst ausgelösten schwersten Finanzkrise seit Jahrzehnten. Er glaube nicht mehr an die Selbstheilungskräfte des Marktes, räumte Ackermann ein.

'Die Einsicht ist gut, sie kommt nur zu spät', sagt der Bremer Finanzwissenschaftler Rudolf Hickel. Der Deutsche Bank-Chef fordert das 'konzertierte' Eingreifen von Notenbanken und Regierungen. Was genau sie tun sollen, ließ Ackermann allerdings offen. Sollen sie faule Kredite übernehmen, angeschlagene Institute retten oder zugunsten des Dollar intervenieren?

Die Banken werden im Moment nicht allein den Weg aus der Krise finden, gibt Ackermann zu. 'Es gibt keinen Liquiditätsengpass, sondern etwas was wir noch nie gesehen haben - einen Investorenstreik. Die Kapitalspritzen sind nötig, um Vertrauen wieder herzustellen', sagt Ackermann. Die Spirale nach unten müsse durchbrochen werden. Die von der US-Notenbank Fed mit 30 Mrd. Dollar abgesicherte Übernahme der Investmentbank Bear Stearns durch den Konkurrenten JP Morgan sei ein richtiger Ansatz.

Ackermann liegt auf einer Linie mit Bundesfinanzminister Peer Steinbrück. Für den ist der enge Schulterschluss zwischen Politik, Zentralbank und Geldhäuser notwendig, um der Probleme Herr zu werden. Nur so könnten die Folgen der größten Finanzkrise der letzten Jahrzehnte minimiert werden. Auch Steinbrück lobt das jüngste Eingreifen der Fed.

Was Ackermann konkret mit seinem Ruf nach Hilfe von Notenbanken und Regierungen im Sinn hat, ist unklar. Nach Ansicht von Reinhard Schmidt, Professor für internationales Bankwesen an der Uni Frankfurt, ist vor allem eine noch engere Abstimmung zwischen Notenbanken gefordert, etwa bei der Bereitstellung von weiteren, vorübergehenden Finanzhilfen. Richtig seien auch die von der US-Regierung eingeleiteten Steuersenkungen, um die Last vor allem von Hausbesitzern zu nehmen. Die Rettungsaktion für Bear Stearns versteht Schmidt nicht als 'Heraushauen' einer angeschlagenen Bank, sondern als Hilfe für ein im Grunde gesundes Institut, das in Liquiditätsprobleme geraten sei.

Genau dieses staatliche 'Heraushauen' von klammen Banken ist nach Ansicht von Hickel prinzipiell problematisch. Weil es Institute dazu verleiten könnte, hochriskante Geschäfte zu tätigen im Wissen, dass der Staat mit Steuergeldern die Bank aus einer Schieflage befreit. Die Bundesbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) haben immer vor diesem Problem gewarnt. 'Im Moment müssen wir in den sauren Apfel beißen. Lösen kann man dies nur über eine stärkere Regulierung und eine verbesserte Aufsicht', sagt Hickel.

Zumindest dies ist offenbar im Sinn von Ackermann. Er spricht sich schon seit längerem für eine 'globalisierte' Finanzaufsicht aus. Die nationalen Behörden sollten ihre Arbeit koordinieren. 'Die Märkte dürfen nicht sich selbst überlassen werden', sagt auch Hickel, der sich im Gegensatz zu Ackermann auch Verbote für einzelne Finanzgeschäfte vorstellen könnte. Die Finanzmärkte hätten sich in den letzten Jahren viel zu stark von der Realwirtschaft abgekoppelt und setzten massiv auf spekulative Geschäfte. Gehen sie schief, droht ein Dominoeffekt mit Rückwirkungen auf die reale Wirtschaft.

Ackermann liegt mit seinen Äußerungen auf einer Linie mit Dominique Strauß-Kahn, dem Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF). Er fordert ebenfalls eine 'globale' Antwort auf die Krise. Die Gefahren und Risiken für die Weltwirtschaft seien groß. Der schon jetzt angerichtete Schaden ist so hoch, dass die Zentralbanken als 'Kreditgeber der letzten Instanz' fast täglich gefordert sind. Dabei dürfen sich die Abstimmungen längst nicht nur auf die großen Notenbanken in Amerika, Europa und Asien beschränken. Auch die Zentralbanken in Russland und China müssen nach Ansicht von Hickel mit an den Tisch. Grund: Auch sie schichten seit Monaten ihre Reserven weg vom Dollar in andere Währungen.

Dadurch wird die US-Währung weiter geschwächt und die Krise etwa über höhere Inflation weiter verstärkt. Interventionen zugunsten des Dollar und damit der Aufkauf der US-Währung durch die Notenbanken könnte damit auch ein Ansatz zur Eindämmung der Krise sein, glauben Beobachter. Aber auch dazu hat sich Ackermann nicht geäußert. Seine Forderungen bleiben am Ende erstaunlich, aber doch zu schwammig. Die Prämisse ist erst einmal: So schnell wie möglich raus aus der Misere.
© Südwest Presse 19.03.2008 07:45
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