BLU-RAY / Verfechter des HD-Formats und Hersteller Sony sind obenauf, Toshiba hat das Nachsehen

Die ungekrönten Sieger von Las Vegas

  • Bildschirme, wohin das Auge reicht. Möglicherweise werden Videos bald nur noch mit der Blu-ray-Technik abgespielt werden. FOTO: AP
Im Kampf um die Nachfolgetechnik der DVD ist eine Vorentscheidung gefallen: Das Filmstudio Warner Bros. hat beschlossen, ab Mai keine HD-DVD-Scheiben mehr zu verbreiten. Damit sind bereits fünf große Studios im Lager des Konkurrenten Blu-ray von Sony.Die Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas hat noch vor Messe-Ende einen ungekrönten Sieger. Besser hätte es für die das DVD-Nachfolgeformat Blu-ray unterstützende Industriegruppe um Sony, Philips und Panasonic nicht kommen können.

Gerade mal zwei Tage vor dem Start der größten US-Messe für Unterhaltungselektronik kündigte das US-Filmstudio Warner Bros. an, künftig seine Filme in hoher Auflösung (HD für High Definition) ausschließlich auf Blu-ray-Disc und nicht mehr in dem Konkurrenz- Format HD DVD zu produzieren. Prompt wurde in der Wüstenstadt kein einziger neuer HD-DVD-Player mehr angekündigt. Die Botschaft des nach eigenen Angaben größten Anbieters von Video-Titeln wirkte wie ein Schock. Vertreter der HD DVD Promotion Group waren plötzlich nicht mehr zu sprechen. Die für den Abend angesetzte Pressekonferenz wurde abgesagt.

Die beiden Lager liefern sich seit Jahren einen erbitterten Kampf um die Nachfolge des DVD-Speichermediums. Zuletzt übertrafen sich beide Seiten mit Erfolgsmeldungen und verkündeten jeweils, die meisten Film-Titel oder Abspielgeräte abgesetzt zu haben. Vor wenigen Wochen hatte selbst Blu-ray-Unterstützer und Sony-Chef Howard Stringer dem Formatgefecht eine 'Pattsituation' bescheinigt.

Die überraschende Entscheidung des Hollywood-Studios könnte nun aber eine entscheidende Wende gebracht haben. Bislang hatte Warner seine HD-Filmtitel in beiden Formaten herausgebracht.'Das ist spielentscheidend', schätzt David Gibson, Analyst bei Marcquarie Securities, und vermutet, dass weitere Studios dieser Entscheidung folgen werden. 'Für die HD DVD ist das Spiel vorbei.'

Ganz so schwarz wie Analyst Gibson mochte es aber selbst Stringer nicht formulieren. Zwar konnte der Sony-Chef seine Freude nicht verhehlen und witzelte: 'Wie Sie sich vorstellen können, sind wir alle bei Sony heute sehr unglücklich'.

Dass der Streit um das Nachfolgeformat damit endgültig zu Ende sein könnte, wollte Stringer aber so doch nicht formulieren. 'Ich werde kein Banner hochhalten, auf dem Mission erfüllt steht', sagte Stringer und spielte damit auf US-Präsident George W. Bush an, der verfrüht den Sieg im Irak-Krieg verkündet hatte. Sony arbeite auch weiterhin eng mit Toshiba, dem Hauptvertreter der HD-DVD-Gruppe, zusammen, sagte er diplomatisch.

Recht zum Umtausch

Doch vor allem für den japanischen Elektronikkonzern Toshiba war der Auftritt in der bunten Glitzerwelt der CES in der Kasino-Stadt mehr als bitter. Entsprechend kurz war die Pressekonferenz ausgefallen, Fragen wurden ohnehin nicht mehr beantwortet. 'Wir sind sehr enttäuscht, vor allem weil gerade in den USA die Verkäufe besonders gut ausgefallen sind', sagte Akio Ozaka, Chef von Toshiba America.

Das Unternehmen habe ein sehr starkes viertes Quartal geschafft. Und selbst das könnte dem Konzern noch schaden: Da die Ankündigung von Warner so kurz nach den Weihnachtsfeiertagen erfolgte, könnten viele Käufer jetzt möglicherweise noch vom Umtauschrecht Gebrauch machen.
© Südwest Presse 09.01.2008 07:45
768 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?