WECO / Es gibt nur noch einen deutschen Hersteller von Silvesterraketen

Ein Jahr Arbeit für den großen Knall

  • 100 Millionen Euro werden jedes Jahr zu Silvester verpulvert. FOTO: dpa
An Neujahr fliegt die Jahresproduktion der Firma Weco in die Luft. Die 400 Mitarbeiter des letzten deutschen Herstellers von Silvesterraketen haben seit zwölf Monaten für diesen einen Moment gearbeitet. Mit einem technischen Kniff wird der Flug bei 50 Metern gebremst.Chinesische Produkte geben zwar seit langem den Ton an - aber immerhin jede fünfte Silvesterrakete kommt aus Eitorf, Kiel oder Freiberg. Das ist umso erstaunlicher, als die Herstellung von Feuerwerk viel Handarbeit ist. 'Pyrotechnik ist anderes als Gummibärchen - und der Mensch kann Fehler besser erkennen', erklärt Markus Schwarzer, Sprecher beim letzten deutschen Raketen-Hersteller Weco.

Im Stammwerk Eitorf bei Bonn steht ein Dutzend garagengroßer Bunker nebeneinander. Rück- und Seitenwände sind aus Stahlbeton, aber vorne hängen Türen und Fenster lose im Rahmen. 'Das sind unsere Produktionsräume', sagt Schwarzer. In einem werden Hülsen gefüllt, in einem anderen Holzstäbe angeleimt. Bei jedem Produktionsschritt dürfen nur ein oder zwei Personen anwesend sein.

Etwas abseits steht ein größerer Bunker mit 70 Zentimeter dicken Wänden. Hier arbeitet die Treiberpresse, die 20 Gramm Schwarzpulver - den 'Raketenmotor' - in die Hülse drückt. 'Wir haben die modernsten Treiberpressen der Welt selbst entwickelt', sagt Schwarzer. 2006 wurden im Stammwerk 85 000 Tonnen Ware verfrachtet.

'Wenn die Rakete zu kurz aufsteigt, ist es gefährlich für die Zuschauer. Wenn sie zu hoch fliegt, sieht man das Feuerwerk nicht mehr gut.' Weco wende 'einen technischen Kniff' an, um den Flug ab 50 Metern Höhe zu bremsen.

'Der Trend in den letzten Jahren geht weg vom reinen Knaller, hin zu optisch effektvolleren Raketen und Batteriefeuerwerken', sagt Geschäftsführer Klaus Gotzen.

Damit die Rakete am Himmel schöner explodiert, hat Weco ein Verfahren von seinem alljährlichen Großfeuerwerk 'Kölner Lichter' übernommen: Kügelchen aus Magnesium, Strontium- oder Bariumsalz befinden sich in getrennten Schalen. Dies ergibt einen lauteren Knall und eine weitere Streuung.

Der entscheidende Schachzug für den Erhalt der Produktion in Deutschland aber war der Vertrag mit einem bekannten Discounter, der nun mit Silvesterraketen Made in Germany wirbt.

'Die Rakete ist der Deutschen liebstes Feuerwerk', sagt Schwarzer. Das bestätigt der Verband der Pyrotechnischen Industrie. Insgesamt lassen die Deutschen 100 Mio. EUR jedes Jahr in Schall, Licht und Rauch aufgehen. Nur 2004 gab es einen Einbruch, weil für die Opfer der Tsunami-Katastrophe gespendet wurde - sonst ist der Umsatz unabhängig von Konjunktur oder anderen Faktoren sehr stabil.
© Südwest Presse 28.12.2007 07:45
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