AXEL-SPRINGER-VERLAG / Aufsichtsrat berät die Zukunft der Tochter Pin

Briefzusteller vor dem Aus

Post bietet an, entlassene Pin-Mitarbeiter einzustellen
  • Zwei Mitarbeiter der Pin AG beim Sortieren von Briefen. Die Zukunft des Zustellunternehmens ist ungewiss. FOTO: dpa
Nach der Niederlage im Kampf gegen den Post-Mindestlohn erwägt der Axel-Springer-Verlag die Schließung seiner Brieftochter Pin. Der Aufsichtsrat tagt heute.Mit der Zustimmung von Bundestag und Bundesrat zum Post-Mindestlohn noch vor Weihnachten droht dem größten Post-Konkurrenten, der Pin-Gruppe, das Aus. Bei der heutigen Sitzung des Springer-Aufsichtsrats soll darüber gesprochen werden, ob der Verlag als Mehrheitseigner der Pin noch einmal Geld nachschießt. Andererseits geht es aber auch um die Möglichkeit eines Insolvenzverfahrens.

Springer-Verlagschef Mathias Döpfner habe sich in der vergangenen Woche im Aufsichtsrat Rückendeckung geholt, um Pin wenn nötig in die Insolvenz schicken zu können, schreibt 'Der Spiegel'. Angeblich fehlen 10 Mio. EUR, heißt es aus dem Kreis der Pin-Mitgesellschafter. Damit könnten bei der Axel-Springer-Tochter bis zu 9000 Beschäftigte ihre Jobs verlieren.

Der Verkauf der Springer-Anteile gelte als nicht sehr aussichtsreich, weil Interessenten fehlten. Bis jetzt habe der Verlag mehr als eine halbe Milliarde Euro in seine etwa 70-prozentige Mehrheit an Pin investiert. Auch die Minderheitseigner - vor allem die Verlage WAZ und Holtzbrinck - sind Medienberichten zufolge nicht bereit noch einmal Geld in die Hand zu nehmen.

Nicht nur Pin, auch die anderen 700 Brief-Konkurrenten der Deutschen Post sehen den Mindestlohn als zu hoch und damit existenzgefährdend an. Nach der Vereinbarung der große Koalition soll er zwischen 8 EUR und 9,80 EUR liegen. Der Bundestag wird über die Aufnahme der Post-Branche in das Arbeitnehmerentsendegesetz und damit über eine Festlegung auf den tariflich vereinbarten Mindestlohn an diesem Freitag entscheiden, der Bundesrat in seiner letzten Sitzung vor Weihnachten am 20. Dezember.

Die Deutsche Post zeigte sich bereit, entlassene Pin-Mitarbeiter zu übernehmen, wenngleich die Post bei einer Schließung von Pin nicht allen 9000 Mitarbeitern ein Angebot machen könne, sagte ein Post-Sprecher. Die Ankündigung des Konkurrenten bezeichnete er 'auch als ein politisches Signal'.
© Südwest Presse 10.12.2007 07:45
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