LAMBERTZ / Sortiment des mehr als 300 Jahre alten Familienunternehmens rechtzeitig erweitert

Vom Printenprinz zum Lebkuchenkönig

  • Wegen höherer Rohstoffkosten werden Lebkuchen und Spekulatius 2008 wohl rund 10 Prozent teurer, sagt Lambertz-Chef Hermann Bühlbecker. FOTO: dpa
Mit einem Schmunzeln auf den Lippen bezeichnet sich Hermann Bühlbecker als Lebkuchenkönig. Seit 1997 führt er das mehr als 300 Jahre alte Familienunternehmen Lambertz - mit großem Erfolg. Aus dem Printenhersteller ist längst ein Süßwarenhersteller geworden.Der Start im familieneigenen Unternehmen verlief für den jungen Hermann Bühlbecker 1977 alles andere als optimal: Im Alter von 26 Jahren betrat der promovierte Betriebswirt die Firma seiner Vorfahren zum allerersten Mal, zuvor hatten Familienstreitigkeiten im 1688 gegründeten Aachener Traditionsunternehmen Lambertz einen Besuch verhindert. Doch nur sechs Monate nach dem Eintritt in die damals rote Zahlen schreibende Firma wurde Bühlbecker voll haftender Gesellschafter.

'Ich habe die Chancen gesehen, nicht die Schulden', sagt Bühlbecker im Rückblick dazu. Unter seiner Führung wurde aus dem Regionalanbieter Lambertz der Marktführer in Sachen Herbst- und Weihnachtsgebäck. Nach und nach kaufte er die Wettbewerber auf: 1994 erwarb Bühlbecker die Firma Weiss (Neu-Ulm) und stieg dadurch in das Geschäft mit Lebkuchen süddeutscher Prägung ein. Es folgte der - historisch gesehen - größte Lambertz-Konkurrent, die Firma Kinkartz in Würselen bei Aachen und die alte Nürnberger Lebkuchenmarke Haeberlein & Metzger.

Dank weiterer Zukäufe, der Expansion ins osteuropäische Ausland und dem kontinuierlichen Ausbau der Nicht-Saisonware, die mittlerweile einen Anteil von rund 60 Prozent des Geschäftes ausmacht, stieg der Umsatz kräftig: 1978, als Bühlbecker die Geschäfte übernahm, kam Lambertz auf 16 Mio. D-Mark. Im Geschäftsjahr 2006/2007 waren es 472 Mio. EUR.

Dem heute 57-jährigen Bühlbecker trug der Aufstieg seiner Firma eine ganze Reihe klingender Titel ein: Als 'Weihnachtsbäcker', 'Printenprinz' oder auch 'Lebkuchenkönig' wird der Mann mit den nackenlangen grauen Haaren gerne bezeichnet. Ihm ist das nicht unrecht, ebenso wenig wie die zahllosen Bilder von ihm mit den Reichen und Schönen in den bunten Blättern. 'Ich setze damit im Grunde genommen nur eine Familientradition fort', erläutert er.

Selbstbewusst verweist der mehrfach für seine Unternehmensführung ausgezeichnete Manager darauf, dass Lambertz' Aachener Printen die älteste deutsche Marke sind. Angefangen hat alles 1688: Damals erhielt der Bäckermeister Henry Lambertz die Erlaubnis, ein Backhaus in Aachen zu errichten, das er 'Haus zur Sonne' nannte. Diese Sonne ziert die rotverpackten Produkte aus dem Hause Lambertz bis heute. 1820 schuf ein Nachfahre von Henry Lambertz die erste Kräuterprinte auf Zucker- und Sirupbasis, 1872 kam mit der Schokoprinte das erste Gebäck mit Schokoladenüberzug auf den Markt.

Lange Zeit gab es Lambertz-Produkte nur in Fachgeschäften. Doch das änderte Bühlbecker. Er ging auf den Handel zu, betrieb sozusagen seine eigene Marktforschung. Das Ergebnis war zunächst niederschmetternd: 'Ihr seid ein tradierter, überholter, alter Laden' lautete die wenig erfreuliche Antwort auf seine Fragen. Bühlbecker reagierte: Statt aufwendiger Dosenverpackung gab es nun Pappe, ein neues Design musste her und vor allem neue Produkte wie Dominosteinen und Butter-Spekulatius.

'Insofern ist die Bezeichnung 'Printenprinz' nicht mehr richtig. Zwar haben wir auf dem Printenmarkt einen Anteil von 98 Prozent. Aber in unserem Unternehmen machen die Printen nur noch 7 Prozent aus', erklärt Bühlbecker und ergänzt amüsiert: 'Lebkuchenkönig, das passt dann schon eher.'
© Südwest Presse 04.12.2007 07:45
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