BUNDESBANK-GEWINN

KOMMENTAR: Überholte Regelung

Der Finanzminister wird sich im Frühjahr bescheiden müssen. Bei der Bundesbank wird dann zusammengezählt. Und eigentlich reibt sich der Kassenwart in Berlin dann immer die Hände. Es gab Tage, da waren es 12 Mrd. EUR, die die Bundesbanker nach Berlin geschickt haben. Die guten Zeiten sind freilich vorbei.

Auf zweistellige Milliardenbeträge darf der Kassenwart nicht mehr hoffen, auch wegen der Europäischen Währungsunion und der Verlagerung der geldpolitischen Kompetenz zur Europäischen Zentralbank (EZB). Es ist vor allem aber Folge des immer stärkeren Euro. Die Zinspolitik der EZB und die zunehmende Wirtschaftskraft des Euroraums zeigen Wirkung. Das drückt den Wert des Dollar und damit auch den Wert der Dollarreserven der Bundesbank. Die Bundesbank wird deutliche Bewertungskorrekturen vornehmen müssen. Aus einem Gewinn von 4,2 Mrd. EUR wie im vergangenen Jahr wird nichts.

Eigentlich könnte die Bundesbank ihre Reserven in Euro bunkern. Dann aber hätte sie keine Mittel, um den Euro zu stützen, wenn es mit der europäischen Währung einmal nicht so gut läuft. Der Finanzminister wird also mit schwankenden Bundesbankgewinnen leben müssen.

Vielleicht sollte er künftig nicht immer automatisch, wie derzeit festgeschrieben, eine Überweisung von 3,5 Mrd. EUR aus Frankfurt einplanen. Diese Regelung ist ohnehin überholt.

© Südwest Presse 10.11.2007 07:45
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