TRANSPORTGEWERBE / Speditionen und Taxifahrer können hohe Dieselpreise nicht voll weitergeben

Besonders kleine Unternehmen leiden

  • Bei Preiserhöhungen wegen des hohen Dieselpreises würden die Taxis noch länger auf Fahrgäste warten. FOTO: AP
Der Ölpreis ist auf Rekordniveau, Diesel ist in Deutschland so teuer wie nie zuvor. Speditionen können die gestiegenen Kosten nur schwer an ihre Kunden weitergeben, für einige geht es um die Existenz. Taxiunternehmen können kaum reagieren, die Preise sind festgelegt.Der Ölpreis steigt, der Diesel kostet mit 1,38 EUR pro Liter soviel wie nie zuvor. Trotzdem fahren auf den Straßen genau so viele Lkw wie vor der Preisexplosion. Wie reagieren die Spediteure, Lastwagenbetreiber und Taxiunternehmen?

'Es gibt massive Probleme', sagt Timo Didier, Geschäftsführer des Württembergischen Verkehrsgewerbes in Stuttgart. Vor allem die kleinen Mittelständler mit 5 bis 15 Lkw, und das sind die meisten im Verband, leiden. 'Die haben feste Verträge oder Rahmenverträge mit ihren Kunden, die jetzt nachverhandelt werden müssen', sagt Didier. Das sei notwendig, 'denn ein Drittel der Kosten sind Kraftstoffkosten. Wir appellieren an unsere Mitglieder, sich nicht abwimmeln zu lassen, weil es um die Existenz geht'.

Bis eine Spedition einen Verhandlungstermin beim Kunden hat, läuft jeden Tag die Zapfsäule, und jeder große 40-Tonner verfährt auf seiner 600-Kilometer-Tour 20 EUR mehr. 'Unser Problem ist: Wir können nicht tagesaktuell die Verträge mit den Kunden nachverhandeln', sagt Florian Janz, Juniorchef der Spedition Janz in Dornstadt.

Für sein Unternehmen bedeutet der aktuelle Preissprung jeden Tag Mehrkosten von 450 EUR. Was Nachverhandlungen besonders erschwert, ist das ewige Auf und Ab des Spritpreises. 'Ich kann dem Kunden doch nicht erklären, dass er mir mehr Geld zahlen muss, wenn dann beim Verhandlungstermin der Preis plötzlich wieder fällt.' Die Schwankungen bedeuten für beide Seiten Planungsunsicherheit.

Die Margen bei den Spediteuren sind so eng, das offenbar schon einige Unternehmen Aufträge abgelehnt hätten. 'Das Verständnis bei den Kunden für Erhöhungen ist ganz unterschiedlich', sagt Didier.

Andrea Marongiu, der auch Speditionen vertritt, die keine eigene Fahrzeugflotte unterhalten und so genannte Frachtführer beauftragen, hat bessere Erfahrungen mit den Kunden gemacht: 'Die Akzeptanz ist noch da, die sehen die Preissteigerung täglich an der Tankstelle', sagt der stellvertretende Geschäftsführer des Verbands Spedition und Logistik Baden-Württemberg in Stuttgart. 'Trotzdem ist das, was in den letzten Wochen passiert, dramatisch', sagt Marongiu.

Bei einigen Spediteuren beinhaltet die so genannte Frachtrate alle Kosten außer dem Kraftstoff. Dafür gibt es gesonderte Dieselzuschläge. Die werden alle zwei oder vier Wochen den Preisen angepasst und richten sich meist nach dem Preisindex des Mineralölwirtschaftsverbands. 'Das reicht aber nicht, wenn der Diesel pro Woche 10 Prozent teurer wird.' Momentan werden die Zuschläge öfter angepasst.

Spritsparkurse nutzen

Das Spritsparpotential in der Branche sei ausgeschöpft. 'Spezielle Fahrertrainings zur sparsamen Fahrweise haben die meisten schon gemacht', sagt Marongiu. Hier sieht Frederik Wilhelmsmeyer vom Deutschen Taxi- und Mietwagenverband bei den Taxifahrern noch Potenzial.

Die Taxifahrer stehen der Kostenexplosion sonst ziemlich hilflos gegenüber. 'Der Tarif bleibt gleich, und unsere Betriebskosten gehen hoch', sagt der Neu-Ulmer Taxiunternehmer Winfried Böller. Eine Anhebung müsste das Landratsamt genehmigen, 'aber die letzte Erhöhung liegt erst zwei Jahre zurück.' Und die Kunden würden im Falle einer Preiserhöhung weniger fahren.
© Südwest Presse 10.11.2007 07:45
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