NUTZFAHRZEUGE / Ständige Innovationen für den Weltmarkt

Bequemer, sparsamer, ökologischer

ZF Friedrichshafen will die Chancen vor Ort nutzen, um den Heimatmarkt zu sichern
  • Leiser, sparsamer, umweltfreundlicher: Auch Bagger werden immer weiter technologisiert. Firmenfoto
Nicht nur in der Autoindustrie fährt der Innovationszug mit ungebremsten Tempo, auch bei den Nutzfahrzeugen hält Hochtechnologie immer mehr Einzug. Beispiele dafür zeigte die ZF Friedrichshafen unter dem Motto: bequemer, sparsamer, umweltfreundlicher.Ein solches Verkehrsaufkommen an Schwerlastern ist selbst auf der vielbefahrenen Autobahn 8 eher die Ausnahme denn die Regel: Bagger, Radler, Kräne - alle Größen, alle Gewichtsklassen geben sich auf dem riesigen, wald-umrandeten Gelände bei Lenningen ein Stelldichein.

Nein, es ist kein Truckertreffen, das hier im mehr als 100 Jahre alten Schutterwerk der Firma Alfred Möck stattfindet. Hier auf der Schwäbischen Alb zeigt die ZF Friedrichshafen unter Echtzeitbedingungen, was moderne Technologie in den gewaltigen Kolossen bewirken kann.

Mehr Komfort, größere Einsparmöglichkeiten, höhere Leistung und die stärkere Berücksichtigung von Umweltbelangen - alles Themen, die der Autofahrer in den letzten Monaten und Jahren gelernt hat, eingetrichtert bekam und gerne umsetzt, all das ist auch im Nutzfahrzeug gefragt.

Die ZF sieht sich in diesem Bereich, der von Passau aus gelenkt und geleitet wird, als Technologieführer. 'Wir investieren massiv', begründet Manfred Schwab, der Vorsitzender der Geschäftsführung der ZF Passau, diesen Vorsprung.

'Innovationen, die sich rechnen', sagt Schwab, wenn er beispielsweise auf die neuen Systeme für Radlader mit der klingenden Bezeichnung 'Ergopower' zu sprechen kommt. 'Mindestens 10 Prozent Spritersparnis' verbergen sich hinter dem neuen Getriebe; 15 Prozent kommen der Wahrheit näher. Fünf statt vier Gängen - eine kleine Revolution in diesem Metier.

Neu auch: Die Wandlerüberbrückungskupplung wird von einer Software bereits bei niedrigen Gängen zugeschaltet ('absolut ruckfrei', so Marketing-Leiter Gernot Hein), was die Sicherheit erhöht, den Verbrauch senkt, weil die Drehzahlen niedriger sind und die Geräusche wesentlich dämpft - und damit die Umwelt weniger belastet. Auch die Achsen sind High-Tech-Produkte, weil sie höchsten Ansprüchen sekundenschnell genügen müssen.

'Die Fahrer fühlen sich wohler an ihrem Arbeitsplatz, sie sind nicht so gestresst und sie können sich auf wenige Handgriffe konzentrieren', skizziert Schwab die Vorteile. Der Handgriff über eine Art Joystick, in den alle Funktionen integriert sind, hat auch in das Führerhaus der häufig mehr als 20 Tonnen schweren Fahrzeuge Einzug gehalten. Was im Übrigen auch zum Nutzen der Bau- und Fuhrunternehmer ist. Weniger Verbrauch, weniger Verschleiß, schnellere und damit auch längere Einsatzmöglichkeiten machen sich in der Kostenrechnung deutlich bemerkbar.

Kein Wunder, dass der ZF-Geschäftsbereich mit seinen 6700 Mitarbeitern und einem Umsatz von mehr als 1,8 Mrd. EUR zuletzt stark gewachsen ist. Drei Jahre in Folge mit zweistelligen Wachstumsraten und 'massiven Ertragsverbesserungen' sprechen Bände. Der Bauboom, insbesondere in Asien ausgeprägt, heizt auch die Nachfrage nach Baumaschinen an. Die wird nach Schwabs Einschätzung noch bis 2010 anhalten. 'Allein in China kommen derzeit rund 140 000 Radlader pro Jahr auf den Markt.' Und Indien mit Wachstumsraten um 40 Prozent, drängt nach. ZF baut dort, in Puna, einen neuen Standort auf.

Enorme Zahlen, von denen auch die ZF über Zulieferungen aus den chinesischen Werken profitiert. 'Wir müssen die Chancen vor Ort wahrnehmen', betont Schwab. 'Dazu gibt es keine Alternative.' Freilich: Das nützt auch den deutschen Standorten. Allein in Passau werden 200 neue Jobs entstehen, um die Nachfrage befriedigen zu können. Schließlich werden zwei Drittel der Produkte exportiert.
© Südwest Presse 10.11.2007 07:45
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