ÖLPREIS / Sprit nach drei Preisrunden hintereinander so teuer wie noch nie

Schmerzhafte Woche

Harter Wettbewerb - Ruf nach 'Benzin-Gipfel' nur Populismus
  • Das kann teuer werden: Wer gestern zum Zapfhahn griff, hat so viel bezahlen müssen wie noch nie. Die vergangene Woche hat Deutschlands Autofahrern richtig weh getan. FOTO: dpa
Das war eine schmerzhafte Woche für die Autofahrer. Nach drei Preisrunden kletterten die Preise an den Tankstellen auf ein neues Rekordniveau: 1,48 Euro für Super und 1,38 Euro für Diesel. Billiger könnte es nur werde, wenn der Ölpreis runtergeht - oder die Steuern.Drei Preisrunden an den Tankstellen in drei Tagen, neue Rekordwerte von 1,38 EUR für einen Liter Diesel und 1,48 EUR für Superbenzin - die abgelaufene Woche hat den Autofahrern in Deutschland richtig wehgetan. Reflexhaft heult die Boulevardpresse auf, und die Automobilclubs rufen nach einem 'Benzin-Gipfel' im Kanzleramt oder nach dem harten Eingreifen des Kartellamtes. Doch echte Entlastung jenseits der Rituale ist nicht in Sicht. Wirtschaft und Verbraucher könnten nur dann mit niedrigeren Preisen rechnen, wenn die Ölpreise deutlich zurückgehen oder die Mineralölsteuern sinken würden. Beides ist nicht zu erwarten.

'Die Forderung nach einem Benzingipfel ist populistisches Getöse', sagt Barbara Meyer-Bukow vom Mineralölwirtschaftsverband (MWV). Die Branche sei gern bereit, den Ölmarkt zu erläutern, für die Verbraucherpreise könne das jedoch nichts bringen. Sie bestehen überwiegend aus Steuern. Bei einem Preis von 1,45 EUR für einen Liter muss der Autofahrer für eine Tankfüllung von 50 Litern 72,45 EUR bezahlen. Davon fließen 61,5 Prozent in die Kasse von Finanzminister Peer Steinbrück. Für den Einkauf des Benzins, Transport- und Vertriebskosten, den Tankstellen-Pächter und die Mineralölgesellschaft bleiben 27,93 EUR.

Mit dem Beginn des Jahres, als der Staat die Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent erhöhte, ist der Zugriff des Fiskus nochmals ein Stück härter geworden. 'Das hat die Verbraucher im Januar nicht so stark getroffen, weil die Ölpreise gerade auf dem Weg nach unten waren', sagt Rainer Wiek, Chefredakteur des Energie-Informationsdienstes EID.

Starker Euro entlastet

Nach dem raschen Anstieg der Rohöl-Preise über 90 Dollar je Barrel (159 Liter) seien die höheren Steuern jedoch umso schmerzhafter. Ohne den starken Euro würden die Verbraucher noch kräftiger zur Kasse gebeten.

Verglichen mit den Märkten für Strom oder Gas ist der Öl- und Benzinsektor von einem intensiven Wettbewerb geprägt. Von knapp 15 000 Tankstellen in Deutschland betreiben Großanbieter wie Aral, Shell, Esso und Total nicht einmal die Hälfte. Gemessen am Absatz kommen die vier größten Mineralölgesellschaften zwar auf einen Anteil von rund 60 Prozent, doch auch das ist keine marktbeherrschende Position und im wesentlichen auf höhere Qualitätsversprechen, Programme zur Bindung der Kunden, größere Shops und mehr Werbeaufwand zurückzuführen.

'Der Markt ist völlig transparent', sagt Wiek. Raum für Preisabsprachen gebe es nicht. Aral-Sprecher Ulrich Winker führt gerade die zahlreichen Preiserhöhungen und -senkungen auf den intensiven Wettbewerb zurück. Keine Tankstelle kann sich leisten, mehr zu nehmen als die Konkurrenz - sie verliert sofort Kunden. In der Folge sind die Gewinne an den Tankstellen relativ gering. 'Die deutsche Mineralölindustrie hat im ersten Halbjahr operativ etwa 600 bis 700 Mio. EUR verdient', sagt Wiek. 'Das nimmt sich im Vergleich zu den großen Energieversorgern bescheiden aus.' So gehören die Benzinpreise in Deutschland ohne Steuern zu den niedrigsten in Europa.

Das Speditionsgewerbe hat die Realitäten erkannt und will einen anderen Weg gehen: Die Kunden sollen die höheren Spritpreise bezahlen. Den Weg zum Kartellamt hält der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) für 'unrealistisch' angesichts der explosionsartig steigenden Preise auf dem Weltmarkt.
© Südwest Presse 10.11.2007 07:45
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