KONJUNKTUR / Im Land fehlen 20 000 Ingenieure

Arbeitskräfte gesucht

Den Unternehmen in Baden-Württemberg fehlen Fachkräfte. Allein 20 000 Ingenieure werden gesucht, sagt der IHK-Präsident der Region Stuttgart.Die baden-württembergische Wirtschaft sucht händeringend Fachkräfte. 47 Prozent der Unternehmen im Land haben offene Stellen, die sie momentan nicht besetzen können. 'Die größten personellen Engpässe bestehen bei den Ingenieursberufen', sagt Günter Baumann, der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) der Region Stuttgart. Er geht von 20 000 fehlenden Ingenieuren aus, 'mehr als in jedem anderen Bundesland'.

Die jetzt vorgestellte Herbstumfrage der baden-württembergischen Industrie- und Handelskammern zur Konjunktur und zu Arbeitskräften im Südwesten zeigt, dass die wirtschaftliche Lage gut ist: Die Hälfte der 4000 befragten Unternehmen aller Branchen und Größen beurteilen ihre Lage als gut. Baumann rechnet in diesem Jahr 'mit einem Wachstum der baden-württembergischen Wirtschaft von 3 Prozent'. 2008 erwartet er nur eine leichte Abschwächung der Konjunktur.

Vor allem die optimistisch gestimmten Maschinenbauer, von denen drei Viertel ihre Lage als gut bezeichnen, rechnen mit Wachstum. 60 Prozent erwarten in den nächsten zwölf Monaten steigende Auslandsumsätze.

'Viel wird auch davon abhängen, ob die Betriebe die Fachkräfte finden, die sie brauchen, um die anspruchsvollen Produkte und Dienstleistungen herzustellen, die sie in der ganzen Welt verkaufen können.' Im Maschinenbau suchen fast zwei Drittel aller Unternehmen nach Ingenieuren.

Im Land gebe es 'gerade noch 1920 arbeitslos gemeldete Ingenieure'. Jährlich würden nur 40 000 die Hochschulen verlassen und auf den Arbeitsmarkt kommen. 'Gerade Baden-Württemberg steht hier vor ganz besonderen Herausforderungen', sagt Baumann.

Um an geeignete Arbeitskräfte zu kommen, suchen zwölf Prozent der befragten Betriebe auch im Ausland. Baumann kritisiert die restriktiven gesetzlichen Regelungen, wie die Begrenzung des Aufenthalts auf zunächst drei Jahre. 'Wir vergessen immer wieder, dass gute Leute mittlerweile überall knapp sind und auch in anderen Ländern sehr willkommen sind.'

Die größten Engpässe gebe es bei Fachleuten mit Hochschulabschluss. Allerdings werden auch Geringqualifizierte gesucht. 'Besonders im Transportgewerbe, im Hotel- und Gaststättengewerbe und bei den Personal-, Sicherheits- und Gebäudedienstleistern ist man oft vergeblich auf der Suche.'
© Südwest Presse 17.10.2007 07:45
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