FINANZEN / Eltern schießen im Durchschnitt 448 Euro zu

Hilfen für Studenten

Günstige Zinsen verdecken Risiken von Studienkrediten
Studieren ist teuer. Das bekommen nicht nur Studenten, sondern häufig auch deren Eltern zu spüren. Scheinbar verlockende Angebote wie Studienkredite oder Bildungsfonds haben auch ihre Nachteile. Experten empfehlen daher, auf verschiedene Geldquellen zu setzen.Für zwei Millionen Studierende in Deutschland hat das Wintersemester begonnen. Die meisten kommen mit ihren Ersparnissen nicht weit. Über 40 000 EUR braucht ein Student heutzutage im Schnitt für ein fünfjähriges Studium. An vielen Unis müssen noch Studiengebühren von einigen hundert Euro pro Semester extra hingeblättert werden. Das macht die Finanzierung noch schwieriger.

Helga Springeneer vom Bundesverband der Verbraucherzentralen rät bei der Finanzierung zu einer Mischform. 'Bevor man einen Studienkredit unterschreibt, sollten alle anderen Alternativen abgeklopft werden', betont Springeneer. Die Zinsen für ein Darlehen sind nach ersten Untersuchungen von Stiftung Warentest zwar günstig. Der angehende Akademiker stürzt sich aber in Schulden, die später in jedem Fall komplett abgestottert werden müssen - auch, wenn er das Studium schmeißt, keinen Job findet oder kein eigenes Einkommen hat.

Neun von zehn Studenten werden von ihren Eltern unterstützt, sagt Andrea Hoops, stellvertretende Generalsekretärin des Deutschen Studentenwerks (DSW). Im Schnitt erhalten sie 448 EUR. Können Mutter und Vater nicht oder nur wenig zahlen, haben die Kinder Anspruch auf Finanzhilfe nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög). Bafög wird als Mix aus Zuschuss und zinslosem Kredit gewährt.

Höchstbetrag 10 000 Euro

Der große Vorteil: Das Darlehen muss nach dem Studium nur zur Hälfte und bis zum Höchstbetrag von 10 000 EUR zurückgezahlt werden. Die Bewilligung ist nicht abhängig von Noten oder Studiengang. Laut DSW-Studie bekommt ein Viertel der Studierenden Bafög, im Schnitt 376 EUR monatlich. Die höchstmögliche Förderung sind 585 EUR.

Reichen die Mittel wegen außergewöhnlicher Ausgaben wie einem Auslandssemester nicht aus, haben fortgeschrittene Studenten die Chance, einen zusätzlichen, günstigen Bildungskredit zu ergattern. Die Finanzspritze vergibt die staatliche Förderbank KfW - unabhängig von der Vermögenslage. Das Geld gibt es erst mit bestandener Zwischenprüfung oder nach einem Bachelor-Abschluss. Für längstens zwei Jahre sind bis zu 300 EUR im Monat drin. Der Bildungskredit kann beim Bundesverwaltungsamt beantragt werden. Der Start der Rückzahlung muss spätestens vier Jahre nach der ersten Rate erfolgen.

Geld fürs Studium gibt es auch von privaten Bildungsfonds, in die Firmen und Privatleute einzahlen. Auf Unterstützung können aber nur ausgesuchte, leistungsstarke Studenten hoffen. Die Rückzahlung ist später ans Einkommen gekoppelt.

Auch ein Stipendium kann aus der Klemme helfen. Neben einem Einser-Abitur kann der Geburtsort, der Beruf der Eltern oder das Studienfach ausschlaggebend sein, je nach Stipendiengeber. Der Vorteil: Das Geld muss nicht zurückbezahlt werden. Aber: Nur etwa 2 Prozent der Studenten bekommen Stipendien. Die großen Förderwerke zahlen bis zu 525 EUR im Monat. Wer glaubt, sich durch einen Nebenjob während des gesamten Studiums über Wasser halten zu können, wird spätestens zum Ende hin Probleme bekommen. Für die Examenszeit sei ein kurzer Studienkredit sinnvoll, sagte Hoops.

INFO

Grundsätzlich helfen die Studentenwerke an den Unis bei Finanzierungsfragen.

Weitere Infos unter

: www.stiftungsrecherche.de; www.das-neue-bafoeg.de; www.studentenwerke.de, www.kfw-foerderbank.de

© Südwest Presse 17.10.2007 07:45
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