DEUTSCHE BAHN / GDL lehnt erweitertes Angebot ab

Signale auf Streik

Zwei Wochenstunden mehr Arbeit für knapp 10 Prozent mehr Lohn: Für die Lokführer-Gewerkschaft ist dieses Angebot nicht akzeptabel. Jetzt droht Streik.Bei der Deutschen Bahn drohen schon ab Oktober wieder Streiks der Lokführer. Deren Gewerkschaft GDL wies ein neues Tarifangebot des Konzerns als unzureichend zurück und nannte das Verhalten der Arbeitgeberseite eine Provokation. 'Bleibt die Bahn bei ihrer sturen Haltung, so sind Streiks im Oktober unausweichlich', erklärte GDL-Chef Manfred Schell.

Die Bahn sieht sich gut vorbereitet. Mit Notfallplänen könne man trotz Streik einen 'eingeschränkten, aber zuverlässigen Fahrplan' anbieten, versprach Personalvorstand Margret Suckale. Die Friedenspflicht endet in der Nacht zu Montag. Suckale sagte: 'Wir müssen den Streik vermeiden, wir fürchten ihn aber nicht.'

Die Bahn hat gestern ihre bisherige Offerte, die Löhne um 4,5 Prozent zu erhöhen, aufgestockt. Hinzu kommen könnten weitere 2,5 Prozent, wenn im Gegenzug die Wochenarbeitszeit um eine Stunde auf dann 40 Stunden verlängert wird, sagte Suckale. Wenn die GDL sogar zwei Stunden Mehrarbeit pro Woche zustimme, sei auch ein zusätzliches Tarifplus von 5 Prozent möglich, was sich zusammen mit dem Grundangebot von 4,5 Prozent auf ein Lohnplus von 9,5 Prozent summieren würde.

Die GDL, die drei von vier Lokführern vertritt, lehnte weitere Tarifverhandlungen auf Basis dieser Offerte ab. 'Sie sieht weder einen eigenständigen Tarifvertrag noch deutliche Verbesserungen in Arbeitszeit- und Entgeltfragen vor', erklärte Schell. Zudem lehne es der Konzern nun entgegen seiner ursprünglichen Zusage sogar ab, mit der GDL über einen eigenständigen Tarifvertrag für Lokomotivführer zu verhandeln und diesen abzuschließen, klagte die GDL.

Anders als von der Bahn und den anderen Bahngewerkschaften Transnet/GDBA behauptet, sei die GDL durchaus bereit, mit den anderen Gewerkschaften in den Tarifverhandlungen zu kooperieren: 'Dies bedeutet jedoch nicht, dass zum jetzigen Zeitpunkt zwingend ein Kooperationsabkommen abgeschlossen werden muss, wie von der DB und Transnet/GDBA immer wieder behauptet wird.'

Suckale zeigte sich verärgert über die GDL. Ihr fehle der Willen zu einer Einigung. 'Wir sind in sehr großer Sorge, dass wir nicht weiterkommen.' Erneut lehnte sie die Forderung der GDL ab, einen separaten Tarifvertrag für die Lokführer abzuschließen. Dies würde den Konzern und die 220 000 Beschäftigten spalten und sei wirtschaftlich nicht vertretbar. Einige Wettbewerber lägen mit ihrem Lohnniveau bis zu 25 Prozent unter dem der Bahn AG.
© Südwest Presse 26.09.2007 07:45
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