MEDIEN / Pressegroßhandel will den Absatz mit mehr Werbung und Information ankurbeln

Zeitung auf der Brötchentüte

  • Warten auf den Leser: Der Großhandel will Zeitschriften und Zeitungen stärker bewerben. FOTO: ERWIN WODICKA
Die Deutschen lesen zu wenig Zeitung. Mit einer Werbe- und Informationskampagne wollen die Pressegroßhändler den Umsatz steigern. Schon morgens beim Bäcker und an der Tankstelle sollen die Leser animiert werden, sich umfassender zu informieren.Auf Kaffeebechern und Brötchentüten wollen die Pressegroßhändler die Lust der Zeitungsleser wecken und die anhaltend schlechten Zahlen bei Absatz und Umsatz überwinden. Während mit bedruckten Bechern und Tüten vor allem in Bäckereien oder Tankstellen Kunden angesprochen werden sollen, will der Bundesverband Presse-Grosso mit kostenlosen Plakaten und auf Flachbildschirmen auch bei anderen Einzelhändlern für das Lesen von Zeitschriften und Zeitungen werben.

'Wir haben gute Ware, wir müssen sie nur wieder stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit bringen', sagte der Verbandsvorsitzende Werner Schiessl bei einer Verbandstagung in Baden-Baden.

Im Presse-Grosso (Köln) sind 61 der bundesweit 75 Großhändler organisiert. Sie beziehen ihre Ware von den Verlagen und liefern an den Einzelhandel. Die Großhändler versorgen täglich rund 120 000 Verkaufsstellen in Deutschland. Sorge bereitet den Grossisten nach wie vor der Blick auf die Bilanz: Der Branchenumsatz lag im ersten Halbjahr 2007 bei 1,35 Mrd. EUR, das waren 6,49 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2006. Auch der Absatz ging im selben Zeitraum um 4,2 Prozent auf etwa 1,49 Mrd. Exemplare zurück.

'Ich kann mir aber vorstellen, dass wir auch dank der Fußball- Europameisterschaft im kommenden Jahr wieder eine gewisse Stabilität erreichen können', sagte Schiessl. Die Großhändler seien derzeit noch keine Nutznießer des Wirtschaftsaufschwungs. 'Die Presse gehört zu den Gruppen, die bei einer steigenden Konjunktur erst später profitiert.'

Schiessl kennt zahlreiche Gründe für den sinkenden Absatz. 'Das Zeitbudget für Zeitschriften ist oft gar nicht mehr da', sagte Schiessl. Außerdem investierten immer mehr junge Menschen ihr Geld für einen wachsenden Markt von Produkten wie Handys oder würden durch ihr Umfeld nicht zum Kauf animiert.

Starke Online-Konkurrenz

Auch die starke Online-Konkurrenz hat im laufenden Jahr auf die Geschäftszahlen der Großhändler gedrückt. 'Es wird nicht mehr gelehrt, sich intensiv zu informieren', sagte Schiessl zum Internetangebot der Verlage. 'Wir wollen deshalb stärker darauf hinweisen, dass es besser ist, sich umfassend zu informieren.' Außerdem müsse versucht werden, die Nutzer bestimmter Internetseiten von Verlagen wieder an die Zeitschriften dieser Unternehmen zu führen.

Die Schulen sollen weiterhin mit kostenlosen Zeitungspaketen für den Unterricht versorgt werden. Die Aktion 'Zeitschriften in die Schulen' habe seit 2004 insgesamt 13 000 Schulen mit 46 000 Klassen Material angeboten. Der Bedarf sei nach wie vor groß, die Unkenntnis der Jungen und Mädchen ebenfalls. 'Tatsächlich ist vielen nicht bekannt, wie viele Zeitschriften es eigentlich gibt', sagte Marketing-Vorstand Frank Nolte.
© Südwest Presse 15.09.2007 07:45
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