KONJUNKTUR / Aufschwung hat Baden-Württembergs Mittelstand erreicht

Verbreitete Zuversicht

Deutscher Maschinenbau glänzt mit sattem Auftragseingang
Der wirtschaftliche Aufschwung ist nicht mehr nur eine Sache der exportstarken Konzerne. Mittlerweile geht es auch den kleinen und mittelständischen Betrieben in Baden-Württemberg ausgesprochen gut. Und der deutsche Maschinenbau strotzt weiter vor Stärke.Vom Aufschwung im baden-württembergischen Mittelstand profitieren zunehmend auch die kleineren Unternehmen. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Konjunkturumfrage bei 1255 Unternehmern im Land, die der Bund der Selbständigen Baden- Württemberg (BDS) gestern bekannt gab. Die BDS-Präsidentin Dorothea Störr-Ritter sagte, lediglich die Kleinstunternehmen und der Einzelhandel hinkten immer noch deutlich hinterher.

Die Konjunkturdelle wegen der Erhöhung der Mehrwertsteuer im ersten Halbjahr 2007 scheine aber überwunden. Die Geschäftserwartungen für das kommende Halbjahr seien nun auch im Mittelstand 'optimistisch wie lange nicht mehr.' Bei den Arbeitsplätzen gebe es im Mittelstand erstmals seit Jahren einen positiven Gesamttrend. Lediglich bei den Investitionen wollten sich die Mittelständler weiter zurückhalten. 'Es ist erfreulich, dass nach und nach auch die kleineren und mittleren Unternehmen vom Aufschwung profitieren', stellte Störr-Ritter fest. Dennoch sei bedenklich, dass die Kleinstunternehmen so deutlich hinterherhinken. 'Die Politik muss mit weiteren Reformen die Rahmenbedingungen im Land verbessern', forderte sie.

'Die Trendwende ist geschafft, der Mittelstand gibt wieder Beschäftigungsimpulse', sagte Störr-Ritter. Über 12 Prozent der Befragten wollten neue Mitarbeiter einstellen. Im Vorjahr seien es 10 Prozent gewesen. Die große Mehrheit von 77 Prozent wolle den jetzigen Personalbestand beibehalten. Nur noch 11 Prozent wollten ihre Mitarbeiterzahl reduzieren. Im Vorjahr waren es noch 13 Prozent.

90 Prozent machen weiter

Einzig die Kleinstunternehmen unter fünf Mitarbeitern sähen derzeit keine Möglichkeit neue Arbeitsplätze zu schaffen. Die Betriebsschließungen werden im kommenden Jahr weiter zurückgehen, sagte die BDS-Präsidentin. 90 Prozent der Unternehmen rechneten damit, ihren Betrieb weiterzuführen.

Mehr Aufträge, mehr Jobs, mehr Export - auch im Maschinenbau gibt es keine Anzeichen für ein Erlahmen der Konjunktur. Der Branchenverband der Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) stellte angesichts der Zahlen für Juli und Juni fest: 'Kein Sommerloch im Maschinenbau.' So sei der Auftragseingang im Juli um real 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Dabei hätten das Inlandsgeschäft um 12 Prozent und die Nachfrage aus dem Ausland um 16 Prozent zugelegt. Im Dreimonatsvergleich von Mai bis Juli 2007 ergibt sich gar ein Plus von 18 Prozent.

Die anhaltend gute Auftragslage schlägt sich auch bei den Arbeitsplätzen nieder. VDMA-Volkswirtin Gesine Schneider sagte, die Zahl der Beschäftigten in der Branche sei von 770 000 im Juni 2006 auf 804 000 im Juni 2007 gestiegen. Das ist ein Plus von 4,4 Prozent.

Vor allem im Handel mit den anderen Euroländern sei ein kräftiger Zuwachs neuer Bestellungen zu verzeichnen. Schneider berichtete, dass der Export in fast alle Euroländer im Zeitraum Januar bis Juni 2007 zweistellig zugelegt habe.

VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers ergänzte: 'Das ist besonders erfreulich, denn fast jede dritte Exportmaschine geht in die Euro-Nachbarländer.' Die zweistelligen Zuwachsraten bei den Auftragseingängen im Juli seien vor allem deshalb beachtlich, weil 'die Latte im Vergleichsmonat 2006 wegen einer außergewöhnlich hohen Zahl von Großaufträgen hoch lag'.
© Südwest Presse 08.09.2007 07:45
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