UNTERNEHMENSFINANZIERUNG / Bessere Aussichten für junge Firmen

Wagniskapital gefördert

Gleichzeitig stärkere Informationspflicht beschlossen
  • Das größte Problem für junge, innovative Firmen ist die Finanzierung. Wagniskapital-Firmen sollen ihnen nun eher Geld bereit stellen. FOTO: ERWIN WODICKA
Junge und innovative Firmen haben oft neue und gute Ideen. Um sie umzusetzen fehlt es aber oft an privatem Geld. Hier setzt jetzt ein gestern verabschiedetes Gesetz an. Es will die Anreize für so genannte Wagniskapital-Beteiligungen an solchen Unternehmen fördern.Die Bundesregierung will junge innovative Unternehmen besser fördern und schafft dazu erhöhte Anreize für Kapitalbeteiligungen. Das Bundeskabinett beschloss gestern einen entsprechenden Gesetzentwurf von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), das steuerliche Erleichterungen für solches Wagniskapital vorsieht sowie eine Ausweitung der Beteiligungsmöglichkeiten. Ein ergänzendes Gesetz, dessen Eckpunkte das Kabinett ebenfalls verabschiedete, soll die Risiken bei Investitionen begrenzen, indem vor allem die Informationspflichten verschärft werden.

Das Gesetz zur Modernisierung der Rahmenbedingungen für Kapitalbeteiligungen fördere gezielt die zumeist kapitalschwachen jungen innovativen Unternehmen, erläuterte das Finanzministerium. Das notwendige Kapital müsse in erster Linie aus dem Privatsektor kommen. Um in den Genuss der Vorteile zu kommen, müssten Wagniskapital-Beteiligungsgesellschaften, die ihrerseits bestimmte Kriterien erfüllen müssen, in Unternehmen investieren, die nicht älter als 10 Jahre sind und maximal über 20 Mio. EUR Eigenkapital verfügen.

Als Förderinstrument dient eine Ausnahmeregelung im Rahmen der Unternehmensteuerreform 2008 eingeführten Verlustabzugsbeschränkung für Körperschaften: Bei Übernahme förderwürdiger Anteile durch eine Wagniskapitalgesellschaft blieben die Verlustvorträge im Umfang der im Unternehmen vorhandenen stillen Reserven erhalten. Auch bei einer Veräußerung blieben Verlustvorträge bestehen, sofern die Gesellschaft das Wagniskapital mindestens vier Jahre gehalten habe.

Das ergänzende so genannte Risikobegrenzungsgesetz soll unter anderem die Stimmrechtsanteile und die Informationen über wesentliche Beteiligungen sowie Verkäufe von Kreditforderungen klarer erkennbar werden. Die Identifizierung der Inhaber von Namensaktien werde verbessert, Verletzungen von Meldepflichten schärfer geahndet. Bafin und Bundesbank sollen Risiken intensiver beobachten.

Nach den Worten des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger fördert das neue Wagniskapitalbeteiligungsgesetz das Innovations- und Wachstumspotenzial in Deutschland. Es 'ist eine gute Starthilfe und erhöht die Chancen, mit neuen Produkten und Ideen Fuß zu fassen', sagte Oettinger. Nach der Unternehmensteuerreform 2008 sei dies 'ein weiterer Schritt, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland zu erhöhen'. BDI-Präsident Jürgen Thumann bemängelte hingegen, das Gesetz gehe nicht weit genug.
© Südwest Presse 16.08.2007 07:45
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