FLUGZEUGE / Zulieferer sind heute unverzichtbar

Einkauf von Triebwerk, Toilette, Teppich

  • Immer öfters bauen Airbus-Mitarbeiter komplett vormontierte Teile ein, wie hier im Werk in Hamburg-Finkenwerder in einen Airbus A319. FOTO: dpa
Ein Airbus-Sanierungsprogramm hat die Diskussion um die Fertigungstiefe bei Flugzeugherstellern neu angefacht. Wie bei Autobauern werden immer mehr Komplett-Teile zugekauft und die Hersteller bereits früh in die Konstruktion eines Flugzeugs eingebunden.Wie viel Teile an einem Flugzeug sollen die Hersteller selbst bauen? Diese Frage wird derzeit wieder heftig diskutiert. Die Kooperation zwischen Herstellern und externen Spezialisten ist schon lange etabliert. So ist etwa die Motorenfertigung seit Jahrzehnten Domäne von Spezialherstellern. Heute hängen Antriebe von Pratt & Whitney, Rolls-Royce oder General Electric an den Tragflächen von Airbus und Boeing. Das Triebwerk kommt direkt an die Montagelinie - wo Rolls-Royce die Komponenten für seine Antriebe einkauft, ist dem Flugzeughersteller egal.

Ähnlich ist der Trend jetzt auch bei anderen Baugruppen. 'Airbus will komplett integrierte Waschräume kaufen und nicht noch mit den Herstellern von Beleuchtung, Toilettenbecken oder Rauchmeldern einzeln verhandeln', beschreibt Arndt Schoenemann, Geschäftsführer der Firma Dasell. Das Unternehmen aus Hamburg zählt weltweit zu den Marktführern in Entwicklung und Fertigung von Flugzeugwaschräumen. 'Die Konsolidierung wird weitergehen', beschreibt Schoenemann die Entwicklung der Ausrüster.

Die Zulieferer aus Deutschland fertigen aber nicht nur Waschräume. So ist der Liebherr-Konzern einer der führenden Hersteller von Antriebssystemen für die Flugzeugsteuerung oder zeichnet für die Klimatechnik verantwortlich. Beim Sitzhersteller Recaro entwickeln und fertigen nach Angaben des Unternehmens rund 900 Mitarbeiter Sessel für Flugzeuge. Recaro und Liebherr sind Beispiele dafür, dass zahlreiche Zulieferer neben dem Geschäft in der Luftfahrt auch in anderen Branchen aktiv sind - oder dort den Großteil ihres Umsatzes machen. Recaro ist ebenso Spezialist für Autositze, Liebherr stellt auch Kühlschränke oder Kräne her.

Die hohe Kompetenz oder das billige Angebot eines Zulieferers sagen aber noch nichts darüber aus, ob das System auch im Flugzeug wunschgemäß funktioniert. 'Bei einem Waschraum haben sie fast zehn Schnittstellen zu anderen Systemen', sagt Schoenemann. 'Wir müssen uns da an Platzvorgaben der Hersteller orientieren.'

Die Integration aller Systeme ist Hauptaufgabe von Airbus oder Boeing. Damit hängt etwa auch zusammen, wer später für Reklamationen geradesteht. Fällt bei einem viermotorigen Jet ein Triebwerk aus, bekommen die Passagiere davon unter Umständen nichts mit - ein Flugzeug kann problemlos mit weniger fliegen. Versagt dagegen die Toilettenanlage, sind die Auswirkungen drastisch. Ärgerlich ist auch der Ausfall des Unterhaltungssystems oder der Mechanismen eines komfortablen Schlafsessels. 'Da gibt es Kunden der ersten Klasse, die sich direkt beim Airline-Vorstandschef beschweren - und der gibt mit Sicherheit den Ärger an Airbus und die Zulieferer weiter', sagt Schoenemann.

Um die Systeme von Spezialisten wie Dasell zu integrieren, setzen Flugzeughersteller und Zulieferer auf digitale Simulations- und gemeinsame Konstruktionsprogramme. 'So können wir schon zu einem recht frühen Zeitpunkt abschätzen, wo es zu Problemen kommt', sagt Schoenemann.

Obwohl es für viele Flugzeugkomponenten nur zwei oder drei Speziallieferanten gibt, ist die Konkurrenz zwischen diesen ebenfalls hart. Schoenemann: 'Wir sitzen zwischen dem Hersteller, der günstig einkaufen will und müssen natürlich auch mit unseren Lieferanten zurechtkommen.'
© Südwest Presse 30.07.2007 07:45
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