HANDWERK / 'Klimaschutz kann man eben nicht im Baumarkt kaufen'

Riesen-Thema für Meister

Auch Mieterbund fordert bedarfsorientierten Energiepass
  • Gerade die Verbesserung der Klimaeffizienz (hier im Bild Wärmedämmung) in Gebäuden und Wohnungen wird dem Handwerk in Zukunft großes Potenzial eröffnen. Firmenfoto
Lange sah sich das Handwerk von den herumwerkelnden Hausmännern ausgebootet. Der Klimaschutz scheint der Branche jetzt wieder zu Oberwasser zu verhelfen. Handwerk wie Mieterbund setzen auf den Energiepass - aber nur auf die bedarfsorientierte Variante.Das Handwerk profitiert von der Klimadiskussion. 'Das Mega-Thema unserer Zeit ist die Energieeffizienz', sagt Joachim Möhrle, Präsident des baden-württembergischen Handwerkstages (BWHT). Die Firmen sind in zweierlei Hinsicht betroffen: Die Energiekosten sind auf der einen Seite Teil der eigenen Betriebsausgaben; auf der anderen Seite ist das Handwerk Dienstleister für energiesparende Maßnahmen der Kunden.

'Viele unserer Betriebe haben sich mit der Energieberatung ein neues und wichtiges Standbein geschaffen', stellt Möhrle fest. Nach Schätzung des BWHT bleibt es nicht bei gut gemeintem Rat: Jede dritte Beratung ziehe einen Folgeauftrag nach sich. So hilft der vielschichtige Klimaschutz offenbar, das Handwerk wieder verstärkt gegenüber der ungeliebten Konkurrenz des Do-it-yourself zu stärken: 'Klimaschutz kann man eben nicht im Baumarkt kaufen', bringt der BWHT-Chef dies fast schon werbespruchmäßig auf den Punkt.

Der Klimaschutz ist für das Handwerk der wichtigste Zukunftsmarkt, weil gerade bei Modernisierung und Instandhaltung der Handwerker der erste Ansprechpartner des Hauseigentümer ist, sagt Möhrle. Bei steigenden Energiekosten steige auch das Interesse an der Optimierung der eigenen Heizanlage.

Das baden-württembergische Handwerk hat bereits vor acht Jahren eine Stromeinkaufsgemeinschaft gegründet. Die habe sich auch im vergangenen Jahr bewährt. 9000 Handwerksbetriebe im Südwesten beziehen seither Strom zu Kosten, die laut Möhrle deutlich unter den Preisen liegen, welche die örtlichen Versorger verlangen.

Schlimmeres verhindert Beim Energieausweis, den Hauseigentümer im kommenden Jahr bei Verkauf oder Vermietung auf Verlangen vorlegen sollten, hat die Handwerklobby aus ihrer Sicht Schlimmeres verhindert. Anfänglich sollten lediglich sechs Handwerkerberufe berechtigt sein, einen solchen Pass auszustellen. Jetzt werden dies alle qualifizierten Fachleute tun dürfen. 1800 Handwerker aus dem Land haben sich zum Energieberater weitergebildet.

Neben dem bedarfsorientierten Ausweis, der auf die bautechnische Zusammensetzung des Gebäudes abhebt und aus Sicht des Handwerks sinnvoll ist, soll auch ein verbrauchsorientiertes Gutachten zugelassen werden. Hier wird der tatsächliche Energieverbrauch zur Grundlage gemacht. 'Eine Fehlentscheidung der Politik', sagt Möhrle.

Der Mieterbund fordert derweil eine massive öffentliche Förderung von Energiesparmaßnahmen an Wohnungen. Das Energiesparen sei ein gesamtgesellschaftliches Ziel, sagt der Präsident des Deutschen Mieterbundes, Franz-Georg Rips.

Laut Rips soll der Energiebedarf für Wohnungen bis 2020 um rund die Hälfte reduziert werden. Der Mieterbund verlangt einen einheitlichen und am Bedarf orientierten Energieausweis. Ein Energiepass, der nur den Verbrauch berücksichtige, sei ungeeignet, weil er je nach Bewohner variiere.Allerdings sei ein Verbrauchsausweis relativ günstig, während ein Bedarfsausweis bis zu 400 EUR kosten könne.

Der Energiepass, dessen Einführung ab 2008 geplant ist, wird sich nach Einschätzung von Rips in drei bis fünf Jahren auf dem Mietwohnungsmarkt durchgesetzt haben. Er werde dann das beste Vermarktungsmittel für eine Wohnung sein.
© Südwest Presse 24.07.2007 07:45
804 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?