FUSIONEN

KOMMENTAR: Drang zu Größe und Macht

Die Welt ist in ständigem Wandel, die Wirtschaft nicht minder. Kaum ein Tag vergeht, in dem nicht Übernahmen oder Fusionen gemeldet werden, gelegentlich auch wieder die Auflösung von Verbindungen, besonders spektakulär im Falle von Daimler-Chrysler zu bestaunen.

Wenn jetzt die Wirtschaftsprüfer von KPMG Zahl und Volumen der Zusammenschlüsse weltweit untersucht haben, so ist ihre Fliegenbein-Zählerei aus der Sicht des Statistikers zu loben. Daraus aber den Schluss zu ziehen, die Fusionswelle ebbe langsam ab, erscheint in hohem Maße fragwürdig. Zumal lediglich die nackte Fallzahl um schlappe zwei Prozent sank, das Volumen aber um fast atemberaubende 60 Prozent zulegte.

Ein Verlust an Attraktivität von Firmenzusammenschlüssen sieht anders aus. Es fehlen dafür ja auch die inhaltlichen Begründungen. Warum auch sollte plötzlich der fast allem Wirtschaften und Wettbewerb anhaftende Zug zur Macht erlahmen - und dies ausgerechnet in Zeiten weiterer Verflechtung der Weltwirtschaft?

Nein, Fusionen mögen auch mal übersteigert werden - doch das ist ebenso Mode wie ein temporäres Abflauen. Der Drang nach Größe bleibt davon unberührt. Eine viel spannendere Frage ist, warum so viele Firmenehen scheitern. Vermutlich an dem, was auch Ehen unter Menschen scheitern lässt: Wenn das Personal nicht zueinander passt.

© Südwest Presse 17.07.2007 07:45
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