ENERGIE / BASF, Bosch, Merck und Schott wollen mit Forschungsinitiative neue Technologie voranbringen

Fenster als Solarkraftwerke

  • Dank neuer Technologie sollen die Solarzellen kostengünstiger und die Anwendungsgebiete vielfältiger werden. Firmenfoto
Fenster als Minikraftwerke, Markisen als rollbare Sonnenkollektoren: Neuartige, ultradünne Solarzellen eröffnen bei der Stromerzeugung große Möglichkeiten. Mit einer Forschungsinitiative treiben die Konzerne BASF, Bosch, Merck und Schott die Technologie voran.Fenster, die tagsüber Sonnenlicht in Energie umwandeln und diese nachts als Lichtkachel wiedergeben. Oder flache, zusammen rollbare Solarsteckdosen, die unterwegs dem Handy Strom geben - solche Innovationen könnten schneller Wirklichkeit werden, als sich das heute selbst Experten vorstellen können. Basis für solche Produkte sind neuartige Solarzellen aus organischen Materialen und aus Kunststoff. BASF, Bosch, Merck und Schott starten jetzt gemeinsam mit dem Bundesforschungsministerium eine neue Initiative. 300 Mio. EUR investieren die Unternehmen, 60 Mio. EUR steuert das Bundesforschungsministerium bei.

'Die Organische Photovoltaik eröffnet uns den Zutritt zu einem hoch attraktiven Markt, der weltweit rasant wächst', begründete BASF-Forschungsvorstand Stefan Marcinowski die Beteiligung des Chemiekonzerns an dem Bündnis. Im Gegensatz zu bislang verwendeten Solarzellen zur Stromerzeugung wird bei Kunststoffzellen der knappe Rohstoff Silizium kaum mehr benötigt. Werden die neuen Zellen in einer Massenproduktion gefertigt, müssten für ein Solarmodul pro Quadratmeter nicht mehr etwa 350 EUR aufgewendet werden, wie Bosch-Forschungsleiter Gerhard Felten sagt. 'Mit der organischen Photovoltaik wollen wir die 100-Euro-Grenze unterschreiten.' Ziel der Verbundes, zu dem über die Beteiligung von Bosch und BASF auch die Dresdner Firma Heliatek gehört, ist die Abdeckung der gesamten Wertschöpfungskette vom Material bis zur fertigen Solarzelle.

'Wenn wir auf diesem Markt punkten wollen, müssen wir schnell sein', sagt BASF-Manager Marcinowski. Die Initiative sei eine große Chance für den Standort Deutschland. BASF und Bosch arbeiten auf dem Feld der organischen Photovoltaik schon länger eng zusammen, in Ludwigshafen wurde 2006 ein gemeinsames Forschungslabor eröffnet. Bei Bosch will man sich im Detail um die Frage der Massenproduktion der neuartigen Solarzellen kümmern. Bei Merck befassen sich Experten bereits seit 2001 mit organischen Halbleitern. Langfristig wollen die Darmstädter zu einem führenden Lieferanten für die Solarindustrie werden. Bei Schott beschäftigt man sich schon länger mit der Dünnschicht-Technologie. In Jena entsteht eine Fabrik für die Serienfertigung von entsprechenden Modulen mit rund 180 Arbeitsplätzen.

Forschungsministerin Annette Schavan und die Manager riefen insbesondere Mittelständler auf, sich an der Initiative zu beteiligen. Die Marktchancen für die extrem dünnen, transparenten und biegsamen Solarzellen sind riesig. Die kommerzielle Nutzung der neuen Solarzellen wird für 2015 erwartet. Sie sollen dann mindestens 10 Prozent des einfallenden Lichts in Strom verwandeln und wohl als dünne Kunststoffschicht vor allem auf Dächern, Fenstern und Fassaden genutzt.

Mindestens ebenso wichtig ist nach Ansicht der Ministerin allerdings auch der Beitrag der neuen Solarzellen zum Klimaschutz. Allerdings muss nach Ansicht von Bosch-Forschungschef Felten klar sein, dass auch mit der organischen Photovoltaik der Abschied von fossilen Energieträgern nicht über Nacht gelingen könne.
© Südwest Presse 03.07.2007 07:45
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